Die Prüger Familie: Teil 5 – Hotelkomplex–Erweiterung und Henrys vorzeitiger Tod

Pressburg entwickelte sich in seiner Grösse und Industrialisierung, so beschloss Henry Prüger Mitte 1920 das Hotel wesentlich zu vergrössern und modernisieren. Er beauftragte einen Wiener und einen Budapester Architekten, die Pläne für die Modernisierung nach seiner Vorstellung zu entwerfen. Doch das Bauamt hat die eingereichten Entwürfe nicht genehmigt mit der Begründung, dass slowakische Architekten beauftragt werden sollen. Schliesslich bekam Arch. Milan Harminc den Bauauftrag, wodurch Henry in ein finanzielles Risiko eingegangen war. Diese Ausführungen waren nämlich viel teurer als die ursprünglichen. Die Bauarbeiten begannen 1929 und endeten Anfang 1930.

Teil 4 hier

Das Gebäude wurde um zwei Stockwerke und einem Mansardestockwerk erhöht. Ein siebtes Stockwerk mit Terasse wurde im mittleren Hauptgebäude für Familienangehörige eingerichtet. Darüber auf dem Dach wurde ein grossen Relief aus Metall – die Biene als Symbol des Fleisses, das Familienlogo aufgestellt.

Die Biene, Symbol des Fleisses -ein grosses Relief aus Metall am Dach in der Mitte vom Gebäudekomplex. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

An der gesamten Länge der Gebäudefront zum Kossuthplatz wurde durch den Anbau eine grosse Terasse für den Sommerbetrieb geschaffen. Unterhalb der Terasse gab es eine Anzahl von verschiedenen Läden und Geschäften.

An der gesamten Gebäudefront erstreckte sich eine grosse Terasse mit Restaurant und Café. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Oberkellner vor gedeckten Tischen auf der Terasse im Restaurantbereich. Quelle: Archiv der Familie Lippert

Der Restaurantbereich auf der Terrasse unter einem Baldachin wurde durch eine Glaswand zum Café-Bereich abgetrennt.
Quelle: Archiv der Familie Lippert

Der Hotelbetrieb wurde während der Umbauarbeiten nicht eingestellt und lief ohne Einschränkung weiter. Henry musste alle Arbeiten unter Kontrolle haben, was sicher nicht einfach war. Dazu kam die Weltwirtschaftskrise, welche seine Situation noch mehr kompliziert hat. Er musste weitere finanzielle Mittel aufnehmen um die fälligen Bankkredite zu begleichen.  Die tsechechoslowakischen Bankiers kannten Henrys monarchistische Einstellung und haben es schamlos ausgenutzt. Er versuchte ausländische Banken anzusprechen, aber ohne Erfolg. Eine Finanzierung in dieser komplizierten Zeit zu bekommen, war unmöglich.  Es kam zu immer öfteren Streiten mit Arch.Harminc – Henry hat ihm eine Bauverzoögerung vorgeworfen und dadurch eine hohe Überschreitung des Budgets. Die Kreditzinsen wuchsen laufend in die Höhe. Die Bankschulden und damit verbundenen Sorgen sowie der psychische Druck, der auf Henry lastete, waren letztendlich für ihn zu viel. Am 11.Juli 1929, zwei Monate nach seinem 62.Geburtstag, schied er freiwillig aus dem Leben.

Sterbeurkunde Heinrich Prüger ausgestellt vom 11.Juli 1929. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

An seiner Bestattungsfeier am 13.Juli 1929 am St.Andreas Friedhof namen viele bedeutende Persönlichkeiten teil.

Trauerzug mit dem blumengeschmückten Sarg von Henry Prüger am St.Andreas Friedhof. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Die Unterlagen für diesen Artikel wurden uns von Herrn Johannes Lippert, Urenkel von Heinrich Anton Prüger, zur Verfügung gestellt, wofür wir uns bei ihm aufrichtig bedanken möchten.

Renáta Janovičková