Die Prüger Familie: Teil 1 - Hotelier Heinrich Anton Prüger (1834 – 1898)

Der Vater der späteren Besitzer des mondänsten Hotels in Pressburg wurde in die Familie des Schneidermeisters Josef Prüger und seiner Frau Marie geb. Fürst am Donnerstag, den 14. August 1834 in Altbrünn geboren. Er wurde klassisch katholisch erzogen und vielleicht schon in seiner Kindheit zog die Familie Prüger von Brünn in die Hauptstadt Wien.

Dort machte der junge Heinrich eine Lehre als Koch und soll großes Talent gehabt haben. Er arbeitete sich hoch, bis er in der Nähe des berühmten Praters (im zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt, in der Praterstraße 36) ein Restaurant mieten konnte. Gegenüber eröffnete 1847 ein Operettentheater und so soll er nach den Aufführungen immer genug „Kundschaft“ gehabt haben.

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Heinrich Anton Prüger, Gründer der Pressburger Hoteldynastie und seine Frau Amalia Barbara Prüger (geb. Spannagl). Quelle: Archiv der Familie Lippert.

Wahrscheinlich hatte er eine Affäre mit einer Hausangestellten oder Kellnerin, aus der eine uneheliche Tochter, Ludmilla, hervorging. Da die Tochter einen slawischen Namen trug, kann man annehmen, dass ihre Mutter wahrscheinlich tschechischer Herkunft war. Es ist jedoch nicht bekannt, was aus ihr geworden ist, denn Heinrich heiratete am Mittwoch, den 25. April 1866, noch vor seinem 32. Geburtstag, die 15 Jahre jüngere Amalia Barbara Spannagl (damals 16,5 Jahre alt), eine Wienerin.

In der Heiratsurkunde ist neben dem Beruf des Ehemannes (Restaurationspächter) auch die gemeinsame Adresse der beiden vermerkt. Laut Heiratsurkunde wohnte das Ehepaar im Gebäude des gepachteten Restaurants. Die uneheliche Ludmila wurde Teil der jungen Familie und 1867 zogen sie alle zusammen in das damalige Pressburg.

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Links, mit der Glasveranda, die erste Arbeitsstätte von Heinrich Prüger im damaligen Pressburg - die Stadtbrauerei am Fischplatz. Quelle: L. Kalman

Wie in Wien pachtete Heinrich auch in Pressburg ein lukratives Geschäft, wo die Familie zugleich wohnte. Diesmal setzte er auf die Stadtbrauerei am Fischplatz 37. Dort wurde am 15. September 1867 Heinrichs ältester Sohn Johannes (auch Henry John genannt) geboren.

Nach ihm kamen noch weitere Nachkommen in die Familie: Es waren Amalia Anna (1868), Julius (1871), Marianne (1872), Antonia (1874), Christine (1876), Michael (1879). Ein Gasthaus ist nicht die geeignetste Unterkunft für kleine Kinder, vielleicht zog die Familie deshalb nach 1872 zunächst in das Haus am Theaterplatz 1 (heutige Gorki Str.) und dann vor 1874 in die Liniengasse 144 (heute Mýtna Str). Mit dem Kauf der Stadtbrauerei durch Armin Deutsch im Jahr 1880 endete auch der Pachtvertrag und Heinrich musste sich nach einem anderen Betrieb umsehen. Diesmal mietete er das Gasthaus Zum Goldenen Hirsch am Marktplatz 2 (dem heutigen SNP-Platz, neben der heutigen Calvinistenkirche).

Offenbar erlaubten ihm die Umstände auch, für seine Familie eine Wohnung in einem besseren Stadtteil zu mieten. Da eine weitere Tochter, Aloysia (Luise) Valburg (1881), am damaligen Grassalkovich Platz 1 geboren wurde, zogen sie offenbar dorthin, fanden aber kurze Zeit später eine Unterkunft, die näher am gemieteten Hotel lag - in der Schöndorfgasse 14 (heute Obchodná Straße). Dort war dann ihr jüngster Sohn Max (1883) geboren worden.

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In seinen letzten Lebensjahren mietete Heinrich das Gasthaus Zum Goldenen Hirsch (später Hotel).  Quelle: J.Cmorej.

Heinrich Anton, Vater einer großen Familie und erfolgreicher Gastwirt, starb am 8. September 1898 im Alter von 64 Jahren. Seine Frau führte das Geschäft, das inzwischen zu einem Hotel geworden ist, weiter. Sie mietete es bis 1912. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Familienunternehmen jedoch de facto von dem ältesten Sohn Heinrich Johannes (wegen seiner langen Aufenthalte in England auch Henry genannt) geführt.

Mit seiner Erfahrung aus dem Londoner Savoy Hotel, das er von 1903 bis 1909 leitete, und aus seinen Reisen in Amerika und Europa beschloss er, kräftig zu investieren. Nach und nach kaufte er drei Häuser an der Südseite des Lajos-Kossuth-Platzes (dem heutigen Hviezdoslav-Platz), aus denen er nach Umbau in den Jahren 1912-1913 das damals aufwendigste Hotel in Bratislava - das Carlton-Savoy erbaute.

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Hotelkomplex Carlton-Savoy um 1914. Quelle: J.Horváth

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Interieur des Cafés Savoy. Quelle: J. Cmorej   

Sein Vater und Gründer der Pressburger Hoteldynastie Heinrich wurde zusammen mit seiner Frau auf dem Andreas-Friedhof begraben, wo Passanten noch heute diese schlichte Inschrift lesen können: „Hier ruhen Heinrich Prüger 1834 - 1898 und seine Gattin Amalie Prüger geborene Spannagl 1849 - 1922“. Seine Karriere zwischen den Städten Brünn, Wien und Bratislava war in dieser Zeit typisch für viele Bewohner der damaligen Monarchie.

Diese Geschichte wurde dem Autor von Herrn Johannes Lippert, Urenkel von Heinrich Prüger, zur Verfügung gestellt, basierend auf Informationen u.a. von seinem Enkel Julius. Mehr dazu sowie umfangreiches Bildmaterial zur Geschichte der Stadt finden Sie wiederum auf der Website www.pammap.sk.

Juraj Šedivý

Übersetzung: Renata Janovičková

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