Wie schon im Artikel über seine Familie und seinen Vater erwähnt wurde, hat vor allem Henry (1867-1929), als ältester Sohn der Familie Prüger eine wichtige Rolle beim Entstehen des berühmten Pressburger Hotels gespielt. Sehen wir uns also an, wie sich sein Lebensweg von seiner Jugend bis zu seinen grössten beruflichen Erfolgen entwickelt hat.
Er kam als Heinrich Johannes am 15.September 1867 in Pressburg auf die Welt und war das erste Kind seiner Eltern. Später bekam er noch 8 Geschwister. Heinrich und seine zwei Brüder erlenten den Beruf in der Gastronomie. Nach den Lehrjahren im elterlichen Betrieb hatte er den Wunsch, seine Fähigkeiten im Ausland in den besten Hotels zu beweisen.
Zuerst arbeitete er in Wien, später in Frankreich, Italien, Deutschland und Schweiz. In Familienarchiven gibt es Dokumente, aus welchen man erfahren kann, dass er im Juli 1901 zum stellvertretenden Direktor des Grand Hotels National im Luzern wurde, in diesem Jahr wurde ihm sogar eine goldene Medaille für herausragende Verdienste vom Botschafter des Kaisers in China verliehen.

Henry, der zukünftige Inhaber vom Hotelkomplex Savoy Carlton als junger Mann. Quelle: Archiv der Familie Lippert

Hotelkomplex Savoy Carlton. Quelle: Archiv der Familie Lippert
Im November 1903 trat er den Posten des Generaldirektors vom Hotel Savoy in London an, was eine grosse Herausforderung und Auszeichnung war für den jungen Manager. Eines der bedeutendsten Ereignisse seiner Karriere in London war die grossartige Geburtstagsparty des amerikanischen Multimillionärs, Städteplaners und Champagner-Königs Georg Kessler unter dem Motto: „Eine Nacht in Venedig“. Kessler erteilte seine Wünsche direkt an Henry, der in wenigen Stunden ein Team von 100 Männern organisierte, welche den Innenhof des Hotels in die Gegend von Venedig verwandelten und wo sich - eigebettet in der Lagune eine grosse weisse Gondel mit Seidenvorhängen, Rosenknospen und elektrischem Licht befand. Die Kellner waren als Gondolieri bekleidet und gingen durch eine speziell gebaute Brücke zur Küche auf und ab. Nebenan stand noch eine zweite Gondel, in der Enrico Caruso das Lied „O Sole mio“ sang.

Eine Nacht in Venedig–Gondelparty Hotel Savoy London. Quelle: Archiv der Familie Lippert
Es gab aber auch mehrere andere Gelegenheiten, wo Henry beweisen konnte, dass er wirklich ein „kreativer Visionär“ ist – wie ihn der berühmte Schriftsteller Compton Mackenzie in seinem Buch „The Savoy of London“ nannte.
Nach sieben Jahren nahm er Abschied von London und fuhr nach New York um dort ein grosses Restaurant in dem neuen Hotel Saranc an der Ecke von Brodway und der 41.Strasse zu leiten, worüber mehrere Zeitungen ausführlich berichteten und seine Erfolge in London sowie seine Reputation betont haben. Am 25.September 1909 bestieg also Henry in Liverpool den schnellsten Luxusdampfer der Welt, die Mauretania Richtung New York.

Schnellster Luxusdampfer der Welt, Mauretania. Quelle: Wikimedia Commons
Die amerikanische Mentalitat war jedoch eine ganz andere als der königliche und kaiserliche Glanz im alten Europa und so kehrte er nach sechs Monaten voller aufopfernder Anstrengung im Marz 1910 nach London zurück.
Kurz nach seiner Rückkehr traf er in dem Londoner Savoy Hotel Fräulein Nellie Chapman, welche in dieser Zeit die Position der ersten Hausdame im Hotel Savoy bekam. Sie war von den leitenden Managern des Hotels umschwärmt, aber hat sich für Henry Prüger entschieden und im Januar 1911 heiratete sie ihn.

Nellie Chapman als junge Dame (später Nell Prüger). Quelle: Archiv der Familie Lippert

Nell Chapman als Hausdame in Savoy Hotel. Quelle: Archiv der Familie Lippert
Eine wichtige neue Aufgabe wartete auf ihn in London: es war die Planung, Beratung und Überwachung eines neuen Gebäudes sowie auch dessen Leitung und Eröffnung. Es war das neue Hauptquartier des königlichen Automobilklubs in der Pall Mall.

The Great Gallery – R.A.C. Pall Mall. Quelle: Archiv der Familie Lippert
Während seiner Karriere erhielt Henry Prüger eine Anzahl von Auszeichnungen. Am 1.September 1911 erhielt er beispielsweise in Anerkennung seiner öffentlichen Wohltätigkeit und volkswirstchaftlichen Verdienste die Ernennung zum Ritter vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. sowie den Orden der reichs- und Residenzstadt Wien.


Die Ernennung zum Ritter von Kaiser Franz Joseph I. in Anerkennung seiner auf dem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeit und der volkswirtschaftlich erworbenen Verdienste. Quelle: Archiv der Familie Lippert
Die Unterlagen für diesen Artikel wurden uns von Herrn Johannes Lippert, Urenkel von Heinrich Anton Prüger, zur Verfügung gestellt, wofür wir uns bei ihm aufrichtig bedanken möchten.
Renáta Janovičková



