Die Prüger Familie: Teil 6 - Savoy Carlton nach dem Tod von Henry Prüger

Henrys Witwe und ihre drei Söhne sowie alle Familienmitglieder waren nach seinem Tod von tiefer Trauer erfüllt. Nell Prüger versammelte Henrys Familie um sich und beschloss, das Hotel zu retten.

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Es wurden Finanzexperten kontaktiert um neue Vorschläge für die Banken zu erarbeiten und schliesslich wurden die Bewilligungen für Fortsetzung der Bauarbeiten erteilt. Im Zeitram 1930 – 1931 wurden von der Escomte -und Volkswirtschaftlichen Bank AG Kredite in Höhe von 9 Mio Kronen zu einem Zinssatz von 9 Prozent ausbezahlt. Der schwer getroffenen Familie gelang es schliesslich, den Bau fertigzustellen. Sechs imposante Stockwerke und ein siebtes in der Mitte wie eine grosse Hotelterasse vollendeten dieses Werk. Es hatte 254 Zimmer mit 344 Betten, zwei Cafés. Drei Restaurants befanden sich im Carlton und zwei im Savoy, dazu ein Cabaret-Nachtclub, Winter – und Palmengarten für gesellschaftliche Ereignisse, drei Festsäle. Ein Pavillon sowie eine neue Bar wurden 1930 eröffnet. Die Eröffnung des neuen Hotelkomplexes SAVOY-CARLTON erfolgte am 1.März 1930, neun Monate nach Henrys Tod. Sein jüngster Bruder Max beauftragte zur Würdigung von Henry den Bildhauer Pavol Bán, ein Portraitrelief aus Bronze zu gestalten, damit Henrys Verdienste auf diese Weise in Erinnerung bleiben. Die Gedenktafel wurde im Juli 1930 in der Lobby feierlich enthüllt.

Die Eröffnung des neuen Hotelkomplexes SAVOY-CARLTON erfolgte am 1. März 1930.  Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Der Kampf ums Überleben dauerte sieben Jahre. Nells Mut und Hartnäckigkeit verweigerten ihr ein Aufgeben. Nur ein massiver Umschwung, ein Boom hätte das Geschäft vom Hotel noch retten können. Die Wirtschaft in den dreissiger Jahren verharrte im Tiefstand. Die Tatra Bank hatte der Familie zwar geraten, den Wiederaufbau unter deren Leitung zu vollenden, doch 1935 kündigte die Bank die Hypotheken und forderte diese ein. Dorn im Auge für die neue Obrigkeit der Bank war, dass das grösste Hotel der Stadt in deutschen Händen war. Dem Familienunternehmen wurde somit die Möglichkeit verwehrt, auf einer soliden finanziellen Grundlage zu existieren. Direktor Jan Franek von der slowakischen Hotel AG kaufte das Hotel im Namen seiner neuen Eigentümer für 20 Millionen Kronen. Er wurde zum obersten Leiter des Unternehmens ernannt und alle bisherigen Verbindlichkeiten und Vermögenswerte wurden übernommen. Als die neuen Herren das Hotel in ihrer Macht hatten, begannen sie, das Deutschstämmige Personal abzubauen. Auf die Familienmitglieder der Familie Prüger konnten die neuen Eigentümer jedoch am Anfang noch nicht verzichten, so war Max bis 1936 Geschäftsführer und ab 1937 vorübergehender Hoteldirektor. Weitere Mitglieder der Familie Prüger wohnten noch einige Jahre ebenfalls im 7.Stock des Hotels in den Räumlichkeiten neben der Dachterasse.

Max Prüger mit Raymonde, Michael, Elsa Prüger, Elisabeth und Antonia Böbl. Der Michaelerturm im Hintergrund. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Im Jahre 1937 bekam Max Prüger die Idee, ein eigenes Unternehme zu gründen. Am Hurbanplatz, Ecke Michaelergasse war das Ramharter Haus vom bekannten Pressburger Architekten Christian Ludwig und hier im 1.Stock plante Max ein Kaffee, welches nach einjem Umbau am 31.Dezember 1937 eröffnet wurde. Das Stockwerk darüber eignete sich als Wohnung für die Familie.

Das „Kaffee Regina“ der Familie Prüger im Ramharter Haus am heutigen Hurbanplatz Nr.14.  Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Die Rückseite von Ramharter Haus. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Die Witwe Nell Prüger verblieb bis 1937 in ihrer Villa am Tiefen Weg, dann kehrte sie in ihre ehemalige Heimat zurück, wo sie 1954 nach langer Krankheit gestorben ist.

Der Familienanwalt Ladislaus Wallner bekam vom Nell Prüger und Henrys Söhnen den Auftrag, die Grundstücke und die Villa zu verkaufen. Als Verwalter bezog er mit seiner Familie das gegenüberliegende Haus für Bedienstete.  Er versuchte bis Ende des Krieges und auch danach die Grundstücke und die Villa zu verkaufen, jedoch mit wenig Erfolg.

Dr. Wallner starb 1974 mit 78 Jahren.

Die Unterlagen für diesen Artikel wurden uns von Herrn Johannes Lippert, Urenkel von Heinrich Anton Prüger, zur Verfügung gestellt, wofür wir uns bei ihm aufrichtig bedanken möchten.

Renáta Janovičková