Dieser Ort war schon immer ein Synonym für Erholung, ein Treffpunkt der Pressburger, der Noblesse des alten Bratislava. Im Laufe der Jahre verwahrloste diese Gegend, sie ging buchstäblich zu Grunde. Jetzt lebt sie wieder auf, damit sie den verlorenen Glanz ihres Namens wiederherstellen kann. Ihr historischer Name ist Železná studienka, auf Deutsch Eisenbründl / Eisenbrünnl und auf Ungarisch Vaskutacska. Unseren Leserinnen und Lesern bieten wir eine Miniserie über die Vergangenheit, die Gegenwart und auch über die Zukunft dieses beliebten Ausflugsziels der alten Pressburger sowie der heutigen Bewohner und Bewohnerinnen Bratislavas.
Zu Beginn unserer Miniserie bringen wir eine aktuelle Fotoreportage vom Eisenbrünnl. Begleitet wurden wir dabei von Alojz Hlina, der zusammen mit seiner Frau Martina Hlinová beschloss, diesem Gebiet seinen verfallenen Glanz und Ruhm zurückzugeben. Die Lokalität wurde von uns kurz davor aufgesucht, als das Containerbuffet, das in den letzten Jahren bei den Besuchern des Waldparks besonders beliebt war, entfernt wurde. Die Imbissstube musste dem Ausbau des Gebäudes des neuen Restaurants „ausweichen“, an dem der Politiker und Unternehmer seit einigen Jahren arbeitet. An diesem Ort entstand außerdem auch das Gebäude des Schwanenpavillons, in dem eine einzigartige Buchhandlung mitten im Wald und ein Libresso entstehen soll.

Abgeordneter des Nationalrats der Slowakischen Republik und Unternehmer Alojz Hlina (* 1970)

Das letzte Wochenende, bevor das beliebte Containerbuffet entfernt wurde und dem Ausbau des neuen Restaurantgebäudes freien Weg machte.
Gemeinsam mit Alojz Hlina betreten wir den Innenraum des künftigen Restaurants. Wir staunen nur über die schön geschnitzte Holzdecke und die Holzverkleidung der Wände.
„Ein Interieur mit Holz, das beeindruckt immer. Gefühlsmäßig bringt uns so ein Innenraum ganz woandershin. Den Gästen muss man Essen auf dem Teller anbieten können, aber auch ein angenehmes Ambiente. Gerade dieses Milieu wird bei uns oft unterschätzt. Ich meine, so ein Besuch muss ein komplexes, ganzheitliches Erlebnis sein. Ich hoffe, dass dies ein Ambiente wird, das unsere Gäste nur ungern verlassen wollen,“ sagt Alojz Hlina ganz stolz.
Im Gebäude wird großzügig an jedes Detail gedacht. Sogar an den Seiteneingang für Radfahrer, wo sie von der Bar aus bedient werden können. Im einstöckigen Gebäude gibt es auch einen Aufzug. Die Toiletten befinden sich nämlich unter der Erde, und Alojz Hlina weist ganz humorvoll darauf hin, dass es sich um die wohl „teuerste Toilette in der Slowakei“ handelt. Unter der Erde gibt es eine starke Strömung von Grundwasser, daher war es extrem schwierig, die Fundamente für den Keller zu errichten. Das Restaurant verfügt auch über getrennte Damen- und Herrentoiletten für immobile Besucher, die werden mit dem oben genannten Aufzug ganz bequem nach unten gebracht.
Über dem Restaurant sollen Klassenzimmer für ein Schullandheim entstehen. Ihre Fertigstellung steht aber noch aus. Priorität hat jetzt, zuerst das Restaurant fertig zu stellen und für die breite Öffentlichkeit zu öffnen.
Das Restaurantgebäude ist keine Replik des ehemaligen König Ferdinand-Eisenbads, das hier einst stand. Es handelt sich um einen Neubau nach den Vorstellungen und dem Geschmack von Alojz Hlina. Der Bau macht eher einen rustikalen Eindruck – für die Außenverkleidung des Gebäudes wird ebenfalls geschnitztes Holz verwendet. Den Giebel des Gebäudes bildet ein Steinrelief mit Schwanenmotiv. Auf dem Dach befinden sich zahlreiche Kupferelemente. Im Interieur der Gaststätte spielt das Meisterteam laut Alojz Hlina „nicht nur mit Holz, sondern auch mit Messing“.
„Wenn wir die Chance haben, an der schönsten Stelle in Bratislava zu bauen, dann verdient dieser Ort etwas Schönes. Ob es schön wird, weiß ich nicht, das ist Geschmacksache, aber zumindest wird man sehen, dass wir uns damit beschäftigt haben“, so bewertet Alojz Hlina seine Bemühungen.

Das hölzerne Interieur des zukünftigen Restaurants.

Geschnitztes Deko-Relief mit Schwanenmotiv
Werfen wir einen Blick hinter das Restaurantgebäude. An der ursprünglichen Stelle und in den ursprünglichen Proportionen entsteht hier ein neuer Schwanen-Pavillon. Es handelt sich auch hier nicht um einen Nachbau des Gebäudes, das hier einst gestanden hatte. Es ist ein neues Werk, inspiriert vom ursprünglichen Holzpavillon. Alojz Hlina will darin eine Buchhandlung und ein Kaffeehaus mit Büchern, Zeitschriften und Zeitungen betreiben.
Der Innenraum ist schon jetzt grandios. Ganz dominant ist die Kuppel, die mit geschnitztem Holz verkleidet ist und von oben verglast werden soll. Darunter befindet sich eine Galerie mit Bücherregalen. Hier ist wirklich alles bis das kleinste Detail durchdacht.

Mit Alojz Hlina vor dem Gebäude des neuen Schwanen-Pavillons.

Ein Dachfenster am Schwanen-Pavillon.

Die hölzerne Kuppel des Schwanen-Pavillons mit dem Geländergang und den geschnitzten Bücherregalen. Die Kuppel selbst wird aus Glas sein.
Im Schwanen-Pavillon wird es Platz für einen großen Flügel und für mögliche Kammerkonzerte geben. Geplant sind auch große Glaswände mit Blick auf den Fischteich.


Der jetzige Zustand des Schwanen-Pavillons. Die Grundstücke unterhalb der Neubauten hat die Familie Hlina für 30 Jahre gepachtet.

Das Wappen von Bratislava, in Holz geschnitzt, als dekoratives Motiv des Schwanen-Pavillons.

Ein alter Grenzstein von Pressburg, hinter dem Gebäude des Schwanen-Pavillons. Den Fluss Vydrica (Weidritz) entlang führte hier bis 1848 die Grenze von Pressburg und Lamač (Blumenau).
Bäder gegen Stress
Die Gegend von Eisenbrünnl war lange Zeit ein Badeort. Das Heilwasser sprudelt hier heute leider nicht mehr, aber das Areal liegt am Zusammenfluss der Kleinen und Großen Weidritz (Malá Vydrica, Veľká Vydrica). Den Spaziergang durch die Umgebung macht das Rauschen des fließenden Wassers aus dem Bach angenehm. Alojz Hlina und seine Frau haben sich deshalb ein originelles Badekonzept ausgedacht, das sie ihren Besuchern bieten wollen.
„Hier konzipieren wir eine Badeanlage. Wir haben das Klangbad genannt. Ein rauschender Bach ist Balsam auf die Seele. Es ist tatsächlich einer der magischsten Klänge, den man sich wünschen kann. Unser Konzept ist es, ein Anti-Stress-Bad zu schaffen. Die Menschen sitzen am Ufer des Baches und entspannen sich beim Klang seines Wassers.“

Das letzte erhaltene Gebäude des alten Areals von Eisnbrünnl. Nach vorliegenden Informationen könnte es sich um den ursprünglichen Schwanen-Pavillon handeln, der zum Überwintern von Schwänen aus dem nahe gelegenen See diente. Später diente das Gebäude als Jagdhaus.

Das Dach des Restaurantgebäudes mit der Windrose.

Alojz Hlina mit dem Entwurf des Steinkamins im Schwanen-Pavillon.

Der Abschied von dem Containerbuffet.
Alojz Hlinas Verhältnis zu Bratislava
Auf die Frage, warum er mehrere beachtenswerte Projekte in Bratislava durchgeführt hatte, obwohl er kein gebürtiger Pressburger ist, antwortet Alojz Hlina folgendermaßen: „Ich liebe Bratislava. Hier habe ich meine Frau kennen gelernt, hier wurden unsere Kinder geboren... Meines Erachtens ist Bratislava eine schöne Stadt und hat eine außerordentliche Fähigkeit zu überleben. Es tut mir wirklich leid, dass so viele Menschen dieser Stadt Schaden zufügen und sie ausplündern, trotzdem Hält sie sich noch. Sie erhielt in der Vergangenheit so viele Pestwunden, trotzdem steht sie noch. Bratislava mag ich also. Ich verdanke dieser Stadt wirklich viel. Gerne würde ich hier auch etwas von mir hinterlassen.“
Nach der Besichtigung des Baugebietes lud uns Alojz Hlina in seinem Buffet zum Kaffee und Tee ein. Dabei stand er mit Demut in der Schlange, die sich vor dem Buffetfenster bildete. Das Interesse der Stadtbewohner an diesem Erholungsgebiet ist sehr groß. Wir kommen gerne auch ein nächstes Mal, denn wir sind gespannt, wie das Areal nach der Fertigstellung aussehen wird und wie es sich entwickeln wird.
Im nächsten Teil unserer Miniserie tauchen wir ein in die Geschichte von Eisenbrünnl.
Peter Janoviček
Foto: Braňo Bibel
Übersetzung: Melinda Rácz
Der Autor bedankt sich bei Alojz Hlina für die Begleitung durch das Areal von Eisnbrünnl sowie bei dem Fremdenführer Ivor Švihran für die Fachberatung beim Verfassen dieses Artikels.



