„Grün ist kein Luxus, es ist eine Lebensnotwendigkeit. Wenn wir Grün zerstören, zerstören wir Leben.“ Unsere Stadt wächst ständig, aber nur wenige ihrer Bewohner haben das Glück, das Grüne und die Natur aus ihren Fenstern zu sehen. Moderne Städte leiden im Allgemeinen unter einem Mangel an Grünflächen. Lernen wir aus der Geschichte, wie es im alten Preßburg war.
Der Franziskanergarten
Die ersten Gärten wurden in der Nähe der Klöster angelegt. Ab dem 13. Jahrhundert begannen sich Klosterorden in Pressburg niederzulassen, zu dem auch Gärten gehörten, in denen die Mönche nicht nur Gemüse und Obst, sondern vor allem Heilpflanzen anbauten. Die Klöster waren zugleich auch die ersten Krankenhäuser. Zu den größten Klosterkomplexen gehörte das Franziskanerkloster in Preßburg. Sein großer Garten verfügte über einen Brunnen mit fließendem Wasser, was Matej Bel (Slowakischer Polyhistor, 1735) als großen Vorteil schätzte. Die Reste des Gartens mit Brunnen sind bis heute erhalten. Auch in anderen Klöstern sind kleine Teile der ursprünglichen Gärten erhalten geblieben.

Der Franziskanergarten heutzutage. (2024)

Der restaurierte Brunnen im Hintergrund links. (2024)
Barockgarten an der Bratislavaer Burg
Die Umgestaltung des Burghügels gilt als eine der ältesten Gartenumgestaltungen auf dem Gebiet von Bratislava. Aus welcher Zeit sich die Gärten hier befanden, ist nicht eindeutig dokumentiert. Auf der Kupfergravüre von J. Hoefnagel und F. Hogenberg aus dem Jahr 1572 ist der Schlossgarten von einer hohen Mauer umgeben und durch eine Hecke in drei Teile geteilt. Im ersten Teil gab es vermutlich niedriges Grün, in anderen Teilen Obstbäume und ein großer Teil des Burghügels war von Weinbergen eingenommen.
In den Jahren 1766-1780 erfolgte auf Anweisung von Maria Theresia der größte Umbau der Bratislavaer Burg, der auch ihre Gärten betraf. Auf der Nordterrasse wurde ein barocker Garten mit Gartenpavillon angelegt. In der Folgezeit befanden sich auf der Burg ein Priesterseminar und eine Militärkaserne, auf die Zierzwecke des Gartens wurde keine Rücksicht genommen, bis 1811 ein Großbrand die Bratislavaer Burg für fast eineinhalb Jahrhundert in eine Ruine verwandelte.
Der Wiederaufbau, dessen Ziel es war, die Form der Burg aus der Teresianischen Zeit wiederherzustellen, begann 1953 auf Initiative von Janko Alexy (Slowakischer Schriftsteller und Maler). In der dritten Phase der Renovierung der Bratislavaer Burg wurde der Barockgarten in dem an die Burg angrenzenden Teil mit einem Gartenpavillon wiederhergestellt. Der Garten wurde 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er erstreckt sich derzeit über vier Terrassen, die durch Treppen verbunden sind. Die Blumen- und Baumvegetation wird durch eine Skulptur einer Allegorie der Jahreszeiten und dekorative Vasen ergänzt. Auf der dritten Terrasse befindet sich ein Brunnen.

Barockgarten der Bratislavaer Burg, 1. Terrasse. (2019)

Verbindung zur unteren Terrasse mit Skulpturen. (2019)
Mittelalterliche europäische Städte waren arm an Gärten und Grünanlagen. Aus Verteidigungsgründen wurden Städte durch Mauern geschützt. In der Zeit bis zum 15. Jahrhundert waren die meisten Häuser in Bratislava Holzbauten, größere Gartenflächen gab es nur in der Nähe der Paläste wohlhabender Bürger. Im Jahr 1536 wurde Preßburg zur Hauptstadt Ungarns (bis 1848) und Sitz der Regierungsämter, wodurch neue Paläste wichtiger Adelsfamilien mit Gärten entstanden (Pállfys Garten, Lipais Garten und andere).
Pállfys Garten
Der Gründer des Gartens war Paul Pálffy, der die Funktion des Vorsitzenden der Ungarischen Kammer ausgeführt hatte und gleichzeitig den Wiederaufbau der Bratislavaer Burg leitete. Am Nordosthang des Burgberges errichtete er eine weitläufige Residenz – einen Palast mit einem Garten, der sich über drei Terrassen erstreckte und so den erheblichen Höhenunterschied überwand. Das Aussehen des Palastes und des Gartens nach der Fertigstellung wurde durch eine Kupfergravüre von J. Ledentnau in 1663 festgehalten. Der ursprünglich im Renaissancestil angelegte Garten wurde im 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut, in den Beeten standen Obstbäume, sowie Zitrusbäume, die im Winter in die Orangerie überführt wurden. Das dominierende Element des Gartens war eine massive Linde, um die herum ein siebenstöckiges Baugerüst mit zwiebelförmigem Dach errichtet wurde, damit die Herrschaft die Blumen und ihren Duft genießen konnte (Kupfergravüre von F.B. Werner aus der Mitte des 18. Jahrhunderts).
Der Garten wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und hier fanden Feste statt, doch später verfiel er und in 1873 wurde er von den Erben in Parzellen aufgeteilt und verkauft. Derzeit ist die Fläche bebaut, nur der Teil des Palastes in der Zámocká-Straße und die Treppe mit zwei Portalen, die die Zámocká-Straße mit der Svoradova-Straße verbindet, sind erhalten geblieben. Die Linde in der Palisády-Straße gilt als ein Spross der berühmten Linde, anderen Meinungen zufolge wuchs der berühmte Baum etwa im Bereich des heutigen Krankenhauses in der Zochová-Straße.

Die Burg Bratislava von Norden und ein Garten mit der massiven Linde und der Kurie des Grafen P. Pálffy in Bratislava. Kupfergravüre von F.B. Werner und M. Engelbrecht. (ca. 1735)

Pálffy-Palast, der bis heute erhaltene Teil in der Zámocká-Straße. (2024)

Das barocke Portal mit den Treppen in der Svoradova-Straße war Teil von Pálffys Garten. (2024)

Blick zum Garten (2024)

Die Linde in der Palisády-Straße, die als Spross der Pálffy-Linde. (2024) gilt.
Lippais Garten (Garten des Erzbischofs, Pozsony kert).)
Die Geschichte des Gartens beginnt in den Jahren 1553–1568, als Bratislava Sitz des Erzbischofsamtes wurde. Im Jahr 1642 übernahm der aus Bratislava stammende Erzbischof von Ostrihom, Juraj Lippay das Amt, der einen zweistöckigen Renaissancepalast (heutiger Sitz der Regierung der Slowakischen Republik) errichten ließ und daneben einen Garten anlegte, der im 17. Jahrhundert zu den berühmtesten Gärten Ungarns zählte. Ihm zufolge verwirklichte es die Idee eines irdischen Paradieses. Damals befand sich das Grundstück außerhalb der Stadt, heute könnten das Schloss und der Garten im Raum zwischen den Straßen Štefanovičova, Štefánikova, Spojná und Námestie slobody liegen. Der erste Schritt war die Beschaffung einjähriger und mehrjähriger Zierpflanzen aus Italien, Spanien, Belgien, Türkei und Indien. Der Garten war in 24 kleinere und 3 größere Beete voller fremder Arten unterteilt, einige Beete hatten Obstbäume verschiedener Sorten. Granatapfelbäume, Zitronenbäume, Orangenbäume, Lorbeerbäume und andere Bäume wurden in roten Tontöpfen gepflanzt, die für den Winter in die Orangerie gebracht wurden. Der Garten umfasste 167 Baumarten und 1658 Kräuter. Am Rand, entlang der Mauer, befand sich ein See, in dessen Mitte eine Sandsteinstatue des St. Georg (svätý Juraj) stand, die heute den Innenhof des Primatenpalastes schmückt. Weitere Attraktionen wie eine künstliche Höhle (Grotte) mit Waldgöttern und schiefen Spiegeln, eine Einsiedelei, ein Labyrinth usw. wurden in den Ecken des Grundstücks platziert. Im Garten gab es Springbrunnen und Sprinkler, Wasserstrahlen plätscherten in der Nähe des Pavillons und trieben eine Art Musikinstrument an, das einer Orgel ähnelte. Über die Anlage des Parkes gibt es in den Originalwerken nur wenige Informationen, es wird hauptsächlich von geraden Alleen gesprochen, die sich zum Spazierengehen an heißen Sommertagen eignen. Mit der Verwaltung des Gartens wurde der Bruder des Erzbischofs, der Jesuit Ján Lippay, ein Wissenschaftler, der sich mit Landwirtschaft beschäftigte, betraut. Er war Autor eines Kalenders, in dem er die Abläufe bei der Arbeit auf dem Feld und im Garten beschrieb (Calendarium oeconomicum perpetuum – Ewiger Wirtschaftskalender, 1662). Am Ende seines Lebens schrieb er das Buch Pozsonyi kert (Preßburger Garten 1664). Er gilt als der bedeutendste Autor der landwirtschaftlichen Fachliteratur des 17. Jahrhunderts auf unserem Gebiet.
Ende des 18. Jahrhunderts begann der Verfall des Gartens und er verlor seine führende Stellung unter den Zierobjekten. Heutzutage gibt es rundherum Straßen und nur ein kleiner Park in der Nähe des Regierungsbüros der Slowakischen Republik ist als Torso des berühmten Gartens erhalten geblieben.

Lippays Garten auf Kupfergravüre von M. Lang aus 1663.

Eine Komponente des Gartens war eine Statue von St. Juraj, das sich derzeit im Innenhof des Primatialpalais befindet. (2024)
Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt nach der Niederlage der Türken und den Aufständen gegen die Habsburger einen Aufschwung. Bratislava wird zur wichtigsten Krönungsstadt Ungarns, Mitglieder adliger Familien lassen sich hier dauerhaft nieder, Paläste und Kirchen werden gebaut, Im Jahr 1775 ließ Maria Theresia die Stadtmauern abreißen, was weitere Bautätigkeiten und die Schaffung von Barock-Palästen und -Gärten (Grassalkovich-Garten, Medikgarten und mehrere kleinere Gärten) anregte.
Grassalkovich-Garten
Graf A. Grassalkovich kaufte im 1755 ein Grundstück hinter der Stadtmauer und errichtete darauf einen prächtigen Palast, zu dem auch ein Barockgarten gehörte, der auf der Mittelachse des Palastes komponiert war. Hier wurden Alleen mit Kastanienbäumen gepflanzt, der Garten wurde mit Behältern mit Zitrusfrüchten, Oleandern, Blumenkörben und Statuen geschmückt. Auch Maria Theresia nahm in 1775 an der Gartenfeier teil. Teil der Feierlichkeiten war ein Jahrmarkt, wo Kavaliere und ihre Damen, darunter auch Erzherzogin Maria Christina verschiedene Güter verkauften.
Während des Slowakischen Staates war der Palast Sitz des Präsidenten, während des Sozialismus war hier das Zentrale Haus der Pioniere und Jugend von K. Gottwald. Dem Garten wurde damals wenig Beachtung geschenkt, er litt unter unsensiblen Eingriffen. Nach der Gründung der unabhängigen Slowakischen Republik wurden der Palast und der Garten zur Residenz des Präsidenten der Slowakischen Republik und der Garten ist für die Öffentlichkeit zugänglich. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts sowie im Jahr 2024 erfolgte der Wiederaufbau. Entlang der Gartenmauer wurde eine Präsidentenallee angelegt, in der die Präsidenten der Slowakischen Republik und geehrte Staatsbesucher Bäume pflanzen. Der Garten ist mit einer Nachbildung der Reiterstatue Maria Theresias, dem Lebensfreude-Brunnen und einem angenehmen Sitzbereich geschmückt.

Blick vom Garten auf das Schloss, im Vordergrund die Ahornblättrige Platane. (2024)

Lebensfreudebrunnen (2024)

Reiterstatue von Maria Theresia aus Kalkstein. (2024)

Präsidenten-Allee (2024)
Medikgarten
Die Geschichte des Medikgartens reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und ist mit dem Grafen von Aspremont verbunden, der hier einen barocken Sommerpalast errichten ließ (Aspremont-Palast – heute Sitz des Dekanats der Medizinischen Fakultät UK in Bratislava), dazu gehörten Felder und Gärten. Später wurde der Garten von Graf Esterházi übernommen, der hier Konzerte veranstaltete. In dem Areal gab es Obstbäume, Kastanienalleen und Linden. Der neue Besitzer Schiffbeck schenkte den Garten der Universität. Im 1985 wurde der Garten restauriert, erhielt seine heutige Form und wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 1986 wurde der Schwanenbrunnen hinzugefügt, es gibt Statuen von Martin Kukučín und Sándor Petőfi, Kinderspielplätze, er ist auch Schauplatz verschiedener Veranstaltungen im Rahmen des Kultursommers (Sommerlesesaal).

Lindengasse (2024)

Schwanenbrunnen (2024)

Schwarzpappel (2024)

Statue von Martin Kukučín im Medikgarten. (2024)
In der Geschichte Bratislavas gab es noch viele andere schöne Gärten. Die meisten von ihnen verschwanden und wurden von Gebäuden verschluckt, von einigen sind nur noch kleine Überreste erhalten.
Terézia Schwarzová
Fotos und Übersetzung: Katarína Schwarzová



