Das Eisenbründl – ein Spaziergang durch Jahrhunderte. 2. Teil: Das grüne Paradies der Pressburger

Es ist ein Synonym der Erholung gewesen, ein Treffpunkt für Pressburger und für die Noblesse Alt-Pressburgs. Mit den Jahren ist es buchstäblich auseinandergefallen. Nun erwacht es wieder zum Leben, um den einst verlorenen Glanz seines Rufes zurück zu gewinnen. Der historische Name des Ortes ist Eisenbründl, ungarisch Vaskutacska und slowakisch Železná studienka.

Unseren Leserinnen und Lesern präsentieren wir eine Miniserie, die die Vergangenheit, den gegenwärtigen Zustand sowie die Zukunft des beliebten Ausflugsorts sowohl der Altpressburger als auch der heutigen Bürgerinnen und Bürger Bratislavas darstellt.

Teil 1 hier

Der Gasthof am Eisenbründl mit dem Schwanen-Pavillon, an einer Ansichtskarte aus der Zeit um 1914.  

Wer von den Pressburgerinnen oder Pressburgern würde das Eisenbründl - Železná studnička - nicht kennen? Es ist wohl der beliebteste Ort für Erholung, Sport oder Spaziergänge im grünen Stadtteil. Heute bezeichnen wir mit diesem Namen das ganze Areal von der Roten Brücke bis fast zum Sanatorium. In der Vergangenheit wurde damit jedoch ein bestimmter Ort im Weidritztal gemeint, und zwar das Bründl mit eisenhaltigem Wasser. Der Schriftsteller Karl Benyovszky beschreibt den Ort in seinem Buch wie folgt:

„... aus einem Granitfelsen entspringt hier eine Quelle, die in einem steinernen Gefäß aufgefangen wird. Das Quellwasser ist klar, farb- und geruchlos, hat einen nur wenig bitteren, an Tinte erinnernden Beigeschmack, und hinterlässt bei längerem Stehen im Behälter ein braunes, flockiges Sediment...“

Anfänge einer Legende

Der kleine Fluss Weidritz, der in den Kleinen Karpaten beim Weißen Kreuz entspringt, hat eine große historische Bedeutung – zum ersten Mal wurde er schriftlich bereits im Jahre 1280 erwähnt. Dieser linksseitige Nebenfluss der Donau beherbergte einst neun Mühlen, die bereits im Jahre 1455 erwähnt wurden. Teil des Mühlenkomplexes an der Weidritz waren vier Wasserreservoirs bzw. Stauseen. Den ersten ließen die Weidritzer Müller im Jahre 1761 bauen. Nach dem Dammbruch im Jahre 1763 verschwand er jedoch. Im Jahr 1846 wurden anschließend vier Stauseen gebaut, die bis heute existent sind.

Bootfahrten am Zweiten Teich, im Hintergrund das Dach des Schwanen-Pavillons.   

Mit dem Niedergang der Mühlen blieben auch die Stauseen verlassen. Im Rahmen der Revitalisierung des Gebiets begann die Stadt im Jahre 1901 mit der Renovierung und dem Wiederaufbau. Die Seen wurden zu Teichen mit Angelmöglichkeit, Bootfahrten und im Winter mit Eislaufmöglichkeit umgestaltet. Im 19. Jahrhundert wurden die meisten Mühlen zu Ausflugs-Restaurants und Gasthöfen verwandelt. Einige Mühlgebäude wurden bis heute erhalten. Die Siebte Mühle, die bis 1896 in Betrieb war, wurde mit einer Dampfmaschine ausgestattet und ihr Gebäude beherbergt heute den Sitz der Denkmalbehörde der Slowakischen Republik. Am besten erhalten blieb die Neunte Mühle unter dem Eisenbründl, die zum technischen Denkmal wurde. Bedeutend ist auch die Achte Mühle, bekannt unter dem Namen Klepáč, die heute als Restaurant und Erholungsareal dient.

Thermen und Heilquellen

Die ersten Besucher des Eisenbründls waren höchstwahrscheinlich die Müller aus der Umgebung, um hier das eisenhaltige Wasser zu holen, das den Ruf einer Heilquelle hatte. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam der Tischlermeister Johann Tronner mit der Idee, die Quelle kommerziell zu nutzen. Und so baute er im Jahre 1821 auf eigene Kosten vier Badekabinen und drei Zimmer.

Die Beliebtheit der Bäder wuchs vor allem nach der Wasseranalyse, die die heilende Wirkung des Quellwassers bestätigte. Die Stadtverwaltung ließ anschließend gemauerte Bäder bauen, die ab dem Jahr 1828 den Namen König Ferdinand-Eisenbad trugen. Die ersten Gäste wurden am 22. Juni 1828 begrüßt und die offizielle Kursaison wurde feierlich am 7. Juni 1830 eröffnet.

Das Gebäude des König-Ferdinand-Eisenbads, gebaut von Joseph Bergameny.

Die Gäste wurden mit dem Fiaker direkt aus der Stadt gefahren. Das Quellwasser konnte man auch in der St. Martins Apotheke kaufen. Spätere Analysen stellten jedoch fest, dass das Wasser seine Heilwirkung verlor – wahrscheinlich aufgrund von Bauarbeiten und Änderungen am Zweiten Teich und von anschließenden Veränderungen im Grundwasser. Nach und nach verschwand der Kurort, doch aus dem Gasthofgebäude entwickelte sich ein berühmtes Hotel, das sich als Treffpunkt des städtischen Adels etablierte.

Eigentümer- und Baustilwechsel

Das Hotelgebäude ging durch die Hände mehrerer Besitzer – von Jakub Palugyay im Jahre 1844, über Hans Meyer im Jahre 1878, bis hin zu Ludwig Schmidt im Jahre 1890. in den Besitz der Stadt Pressburg ging es im Jahre 1894 über. Hinter dem Gasthof wurde am 21. Juni 1905 ein neues Gebäude – das Schwanen-Pavillon, vom Pressburger Verschönerungsverein angebaut.

Das Schwanen-Pavillon (Quelle: AKON - Ansichtskarten Online)

Der letzte große Umbau des Areals wurde im Jahre 1938 durchgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Gebäude zu verfallen und wurde im Jahre 1970 saniert. Erhalten blieben allerdings nur die Fundamente, auf denen später einfache Imbissstuben errichtet wurden.

Die Leitung der Obus-Linie.

Die erste Pressburger Obus-Linie

Kaum jemand weiß, dass gerade am Eisenbründl die allererste Obus-Linie in Pressburg und zugleich die zweite auf Slowakischem Gebiet eröffnet wurde. Die Linie startete in der Prager Straße (Pražská ulica) beim Palugyay Palais und führte über die Rote Brücke bis zum Eisenbründl. Sie war 5800 Meter lang und wurde von sieben Obussen Daimler-Stoll befahren. Die Linie war bis 1915 im Betrieb.

Die Legende vom Klepáč

Mit dem Ort ist auch die Legende über den Müller Klepáč, seine Tochter Annchen und den Jägerburschen Hans verbunden. Die Eltern wollten ihre Hochzeit nicht zulassen, und daher verfluchten sie die beiden am Heiligabend. Hansi wurde in einen Hasen mit Jägermütze und Annchen in einen Fuchs mit Menschengesicht verwandelt. Der Legende nach können wir ihnen in den Wäldern rund um das Eisenbründl begegnen, insbesondere in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.

Das Schwanen-Pavillon rund um das Jahr 1915. Am 21. Juni 1905 überreichte der stellvertretende Vorsitzende des Pressburger Verschönerungsvereins Julius von Simonyi feierlich die neue verglaste Holzveranda dem Oberbürgermeister Theodor Brolly im Areal der Ferdinand-Eisenbäder am Eisenbründl, die im Beisein vieler Zuschauer, städtischer Beamten und des Gespans errichtet wurde. Hier handelte es sich um das teuerste Bauwerk, das der Verein in der Zeit durchführte – sein Preis erreichte 14 800 Kronen, während die Stadt mit 3 300 Kronen beisteuerte. Zum Vergleich: um ein Jahr früher wurde auf dem Gämsenberg eine Veranda für 150 Personen für lediglich 6 189,39 Kronen errichtet. Die Veranda am Eisenbründl wurde im Jahre 1975 abgerissen sogleich wie das Hauptgebäude der Bäder, das vorhin im Jahre 1970 saniert wurde.

Für unseren Artikel über das Eisenbründl erinnert sich auch unsere Leserin Frau Dagmar Gálová: „Meine Omama ging mit einer Damengesellschaft im Sommer regelmäßig zum Eisenbründl, um dort eine Kanasta-Kartenpartie zu spielen. Ich musste immer mit „Küss die Hand“ grüßen und einen Knichs machen. Ich erinnere mich, dass Omama mich mitnahm. Die Damen spielten und ich lungerte irgendwo in der Umgebung herum. Damals war ich etwa 5-6 Jahre alt. Welches Kleid ich trug, das weiß ich nicht, aber ich hatte drüber eine weiße Schürze mit Rüschen, die um meinen Hals und auch auf dem Rücken gebunden war. Da es hier keine besondere Unterhaltung gab, und es fuhren nur wenige Autos, machte ich mich selbst auf Unterhaltungssuche. Und ich fand die beste – in meine Schürze sammelte ich Frösche, die von Autos überfahren wurden und waren dadurch ganz flach gepresst... Als ich dann der Omama meine Sammlung zeigte, können Sie sich gewiss gut vorstellen, was folgte...“

Im Jahre 1907 wurde in Pressburg ein moderner touristischer Reiseführer veröffentlicht, dessen Autor der städtische Bibliothekar Emil Kumlik war, gedruckt in der Druckerei von Karl Angermayer und herausgegeben vom Buchhändler Sigmund Steiner.   

Die Reklamen am Ende des Bedeckers legen uns nahe, dass die Herausgabe dieses Buches von mehreren bedeutenden Pressburger Händlern und Unternehmern unterstützt wurde. Darunter auch der Gastwirt Kovács der für seinen Betrieb am Eisenbründl Werbung machte.   

Der dritte Teil der Serie wird nach der Fertigstellung des Areals des neuen Eisenbründls veröffentlicht. Wir werden ihm einen Besuch erstatten und bewerten, wie es an seinen legendären Vorgänger anknüpft.    

Peter Janoviček

Übersetzung: Astrid Rajter

Bilder: OZ Bratislavské rožky (Sammlung J. Horváth)

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