Wir starten eine neue Serie, die die Geschichte der alten Pressburger Familien darstellt. Der erste Teil bringt eine Auswahl aus dem Familienfotoalbum von Herrn Peter Aich.

"Pressburg bedeutet für mich das, was für andere ein ganzes Land ist: meine Heimat. Genauer gesagt, derjenige Stadtteil, der am meisten mit meiner Jugend verbunden ist. Und das gilt für mich bis heute. Hier bin ich aufgewachsen, hier wohnten meine Bekannten, Freunde, Familie, hier befinden sich die Gräber meiner Vorfahren – all das ist ein sehr wichtiger Umstand. Wo immer ich lebte und wohin ich mich begab, Pressburg bedeutet für mich immer Heimat und Zuhause. Trotz der Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten sehr bedeutende Veränderungen in der Stadt stattgefunden haben. Im Namen der Modernisierung wurden ganze Stadtteile abgerissen, was nicht immer zugunsten der Stadt geschah – dies zeigt sich ziemlich deutlich daran, dass die neuen Generationen in dieser Stadt kein historisches Bewusstsein haben. Dennoch hat diese Stadt eine reiche Geschichte, die es wert ist, erhalten zu werden. Sie verfügt außerdem über eine besondere Eigenschaft: (auch) als Folge der historisch gegebenen Dreisprachigkeit gibt es in der Stadt bis heute eine Art von Toleranz, die trotz allem bis heute spürbar ist."
Aich Péter

Mein Vater als 6-Jähriger mit seiner älteren Schwester, Tante Luc – im Jahre 1912.

Nándor Aich, Bezirksrichter(1839–1872). Der Familienlegende nach kamen die Vorfahrender Familie Aich während
des Umzugs von Schwaben nach Pressburg. Der Familienname Aich ist in Baden-Württemberg gar nicht selten und viele Ortschaften dort sind ebenso benannt.

Doktor Nándor Aich sen. im Jahre 1898.

Mein Großvater mütterlicherseits János Ostermuth Csajk von Tschaikoff, Feldmarschallleutnant im Ersten Weltkrieg, der sich dank seinem Talent und seiner Fähigkeiten als Absolvent der Kadettenschule zu einem hohen militärischen Rang emporgearbeitet hat.

Absolventen der achten Klasse der Grundschule mit Ungarisch als Unterrichtssprache in der Zochova Straße im Jahr 1956.

Das alte Winterstadion in Bratislava im Jahr 1958, als dort die Eiskunstlauf-Europameisterschaft stattfand.

Dr. med. Nándor Aich sen.

Weihnachten waren bei uns immer ein wichtiger Familienfeiertag. Auf dem Foto mit meiner Tochter Zsuzsi im Jahre 1977.

Mit meinem Vater und meiner älteren Schwester irgendwo in der Tatra. Mein Vater war ein sehr beschäftigter, angesehener Arzt, aber er war immer in unserem Leben präsent. In seiner privaten Ambulanz hatte er auch eine Röntgenanlage, auf die er sehr stolz war. Nachdem aber das kommunistische Regime den Betrieb von jeder privaten Arztpraxis verboten hat, konnte er – obwohl das Röntgengerät von sehr hoher Qualität war – froh sein, dass es jemand kostenlos weggebracht hat. Dies bedeutete natürlich nicht, dass er seine private Arztpraxis beendete: er behandelte viele alte Pressburger, seine Bekannten. Ich erinnere mich, dass er während meiner Kindheit oft auch nachts angerufen wurde. Wie sein Vater verstand auch er den Hippokratischen Eid wörtlich – es war nicht die Nationalität oder politische Orientierung des Patienten, die für ihn von Bedeutung war, sondern seine Krankheit, die behandelt werden musste.

Das Eckhaus stand an der Ecke der Dürren Maut (Suché mýto) und der Konvent-Gasse; hier war ein Obst- und Gemüseladen, aber einst befand sich dort die Niederlassung der Steiner-Buchhandlung. (Diesen Teil der Konvent-Gasse und der Dürren Maut gibt es nicht mehr, an seiner Stelle ist eine Unterführung; fast alle Gebäude in der Richtung vom Michaeler-Tor wurden auch abgerissen). Auf der rechten Seite der Abbildung sieht man das bis heute bestehende Astoria- Gebäude.

Meine Großeltern väterlicherseits: MUDr. Nándor Aich mit seiner Frau Luise Weber, geboren in Wien.
Aich Péter
Übersetzung: Melinda Rácz

Das Buch "Wir sind alte Pressburger", HIER kaufen.



