Die Geschichte des Theodor-Edl-Denkmals

„… die Erinnerung an diesem außergewöhnlichen und selbstlosen Philanthropen lebt weiter…“

Die erste bekannte Fotografie des Denkmals wurde vom Fotografen Karl Körper wahrscheinlich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ausgefertigt. Unsere Urgroßmutter Irma, die Tochter Theodor Edls, hatte sie in ihrem Album aufbewahrt.  (Archiv der Autorin)

Stille Erinnerungen

„Als wir am Samstagnachmittag am vierzehnten den romantischen Pfad niederstiegen, der von der Jägerhütte am Gämsenberg zur Brünner Straße führt, entdeckten wir in der dunklen Waldesruhe einen großen Kranz aus schönsten Rosen, der zum Edl-Denkmal im Schatten der Bäume gelegt wurde. Es waren die Beamten der I. Pressburger Sparkasse, die trotz starkem Nieselregen zum stilvollen steinernen Denkmal pilgerten, um weltliche Dankbarkeit und Ehrerbietung an dem Ort auszudrücken, an dem vor zwei Jahren ein großes Herz zum letzten Mal schlug. Schweigend haben sie es umringt, um mit dankbarem Blicke voller Trauer zu gedenken, und hier, im Kreise aufrichtiger Freunde und Verehrer, nach der Umkehr des unaufhaltsamen Todes einer edlen Seele zu rufen. Die Mitarbeiter der Sparkasse verloren ihren Wohltäter und väterlichen Freund Theodor Edl sen., daher spiegelt sich eine grenzenlose Hochachtung in ihrem ehrfürchtigen Andenken wider. Vielleicht haben ihn viele von jenen, die ihm noch mehr zu verdanken haben, bereits vergessen, doch im Herzen wahrer Freunde lebt die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen und selbstlosen Philanthropen weiter,“ lesen wir auf der 2. Seite der Pressburger Zeitung vom 16. Juni 1884.

Dieser zeitgenössische Bericht mit persönlichem Charakter ist der erste dokumentierte Beweis für die Existenz des Edl-Denkmals am Gämsenberg. Wie wir wissen – und wie es aus der oben erwähnten Erinnerung hervorgeht –wurde es von Freunden, Verehrern und Kollegen Theodor Edls errichtet.

Géza und László Bertha (mein Vater und mein Onkel), Urenkelkinder von Theodor Edl, beim Denkmal; 1928 (Archiv der Autorin)

Es begab sich am 14. Juni 1882 um 12 Uhr mittags, dass die Beamten der I. Pressburger Sparkasse eine gemeinsame Wanderung in die Wälder der Umgebung unternahmen. Ihr Vorsitzender Theodor Edl wurde von seinen Mitarbeitern ebenfalls eingeladen. Am Eisenbründl aßen sie zu Mittag und anschließend machten sie sich gutgelaunt auf den Heimweg; sie beschlossen, über den Gämsenberg zurück zu kehren. Hier trennte sich die Gesellschaft: eine Hälfte wählte den gemütlicheren, aber längeren Weg von der Neunten Mühle, und Edl gemeinsam mit dem Schatzmeister der Sparkasse, Bernhard Orth, nahmen den kürzeren, aber anstrengenderen Weg bergauf, in lebhafter Diskussion über die Vermietung der neuen Schiffsbrücke vertieft. Sie gingen zügig in raschen Schritten, hatten den Gipfel beinahe erreicht und vor Ihnen ragte die Jägerhütte am Gämsenberg auf: es war Zeit, langsamer zu werden und durchzuatmen – so erinnerte sich Orth – als urplötzlich der k.u.k. Berater Theodor Edl wortlos zusammenbrach. Mittlerweile ist auch der Rest der Expedition angekommen. In der Hoffnung, dass es sich nur um einen Ohnmachtsanfall handelte, trugen sie Edl zur Jägerhütte. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass der Herzinfarkt, den er erlitten hatte, tödlich war und sein Leben beendete.

Der herbeigerufene Pressburger Stadtarzt, Dr. Kováts, konnte nur noch den Tod feststellen. Die Familie wurde auch benachrichtigt. Herr von Martinengo, der Feuerwehrkommandant, traf nachts ein, um den leblosen Körper mithilfe des Bestattungsunternehmens zum Hauptplatz zu fahren, wo er in der Wohnung am 2. Stock auf einem Katafalk aufgebahrt wurde.

Drei Tage später, am 17. Juni, kündigten die Beamten der I. Pressburger Sparkasse eine Sammlung für die Errichtung eines Denkmals an der Stelle an, wo ihr Kollege und väterlicher Freund, k.u.k. Berater Theodor Edl seinen letzten Atemzug nahm. Es wurden 250 Forint eingesammelt, was ungefähr heutigen 3.000 Euro entspricht.

Ein winterliches Bild vom Denkmal – fotografiert von Magdi, Tochter von László Bertha; 2002 (Archiv der Autorin)

Theodor (Tivadar) Edl wurde im Jahre 1815 in Pressburg in die Familie von geschätzten Bürgern der Stadt geboren (sein Onkel Michael Alois war Stadtrat und stand bei der Gründung des Pressburger Kasinos) – als Sohn von Anna (Tochter eines Wiener Geschäftsmannes) und Franz Xaver. Sein Vater und sein Onkel betrieben einen Laden mit Leinen- und modernen Textilstoffen am Hauptplatz Zur weißen Taube, den sie von ihrem Vater erbten. Damit wurde auch Theodors Weg vorgezeichnet: in seiner Heimat studierte er Betriebswirtschaft und anschließend sammelte er praktische Erfahrungen in Triest. Er war erst 20 und 22 Jahre alt, als er nach dem Tod seines Vaters und Onkels das Geschäft mit Leinen, Wolle und Modetextilien übernommen hatte und weiter ausbaute. Außerdem betrieb er eine eigene Bank und eine Wechselstube.

TIVADAR EDL (1815-1882) (Quelle: BV Pressburger Kipferl)

Das ursprüngliche Edl-Haus am Hauptplatz Nr. 5. (Quelle: BV Pressburger Kipferl, Sammlung: L. Kalman)

Im Jahre 1841 war er an der Gründung der ersten Provinzsparkasse in unserer Stadt maßgeblich beteiligt; diese basierte auf dem Prinzip der Aktienzeichnung. Seit dem Jahr 1857 nahm er als stellvertretender Vorsitzender an den gemeinnützigen Aktivitäten der finanziellen Einrichtung teil, die ab dem Jahr 1870 den Namen I. Pressburger Sparkasse trug – seit 1875 nach neuen Regeln und unter Theodor Edls Vorsitz.

Im Jahre 1844 beteiligte er sich an der Gründung des Mühltaler teilnehmenden Unternehmens, das mit dem Ziel gegründet wurde, die Wasserkraft der Weidritz intensiv zu nutzen: Edl wurde zum Schatzmeister der Gesellschaft gewählt.

Im Jahre 1863 beschlossen die Schicksalsprägenden Bürger Pressburgs eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, um die Sicherheit in der Stadt zu erhöhen. Theodor Edl, sein Freund Heinrich Justi und der Fechtmeister Ferdinand Martinengo entwarfen ihre Satzungen.

Am 29. August 1869 war Edl als Vorsitzender des Gründungskomitees an der Gründung vom Bauverein beteiligt, dessen Hauptziel war, die Bedürfnisse der Kunden durch den Bau komfortabler Eigenheime zu befriedigen. Heinrich Justi wurde zum Vorsitzenden gewählt; Edl wurde sein Stellvertreter und später selbst Vorsitzender. Das Grundkapital des Vereins bestand aus dem ehemaligen Propstgrundstück zwischen dem Gaistor und der Turngasse (heute Zochova), das er in mehrere Grundstücke unterteilte und auf dem er eine Straße bauen ließ, die später nach ihm benannt wurde.

Ab dem Jahr 1871 war Theodor Edl auch als Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer tätig. Er befürwortete die Regulierung und den Ausbau des Donauufers zwischen Theben und dem Pressburger Winterhafen, bzw. der Gemeinde Gönyű. Seinen Lösungsvorschlag, den auch der Handelsminister Herr József Szlávy unterstützte, wurde zuvor auch dem Verkehrsministerium in Budapest vorgelegt.

Das Gebäude der Industrie- und Handelskammer (Quelle: BV Pressburger Kipferl)

Theodor Edl war eine Zeit lang auch Vorsitzender des Pressburger Finanzausschusses. In Budapest vertrat er die Interessen seiner Heimatstadt, förderte den Bau der Eisenbahn, einer festen Brücke sowie eines Theaters.

Edl nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben teil und prägte in erheblichem Maße die kulturelle Entwicklung der Stadt: er war aktives Mitglied des Pressburger Verschönerungsvereines, des Pressburger Liederkranzes, des Kirchenmusikvereins zu St. Martin und weiterer Kulturinstitutionen. Edl war Vorsitzender des Pressburger Schützenvereins und im Jahre 1865 wurde er zum Vorsitzenden des Männergesangsvereins gewählt. Er war nicht nur ein begeisterter Kunstförderer, sondern war auch selbst künstlerisch tätig. Seinen Neffen Alexander Liezen-Mayer (Győr, 1839 – München, 1898), der später als Maler und Illustrator berühmt wurde, unterstützte er während seiner Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Zeitgenössische Informationsquellen – Pressburger Zeitung und Westungarischer Grenzbote – informierten detailliert über die Beerdigung von Theodora Edl, unter anderem wurde die Liste der Anwesenden veröffentlicht, die an der letzten Verabschiedung teilnahmen, im Namen verschiedener städtischer Institutionen, Vereine und Gesellschaften, sowie auch Namen weiterer bedeutender Persönlichkeiten der Stadt. Leider ist in den uns verfügbaren digitalen Quellen, keinerlei Hinweis über die Fertigstellung des Denkmals am Gämsenberg zu finden – und diese Information wurde leider auch in unserer Familie nicht erhalten. Was wir wissen, ist, dass am 14. Juni 1884 (wie es aus dem am Anfang dieses Beitrages zitiertem Artikel hervorgeht), also am zweiten Jahrestag von Edls Ableben, das Denkmal bereits existierte.

Das Denkmal besteht aus einem Sockel aus Bruchstein, auf dem ein oben zugespitzter Granitblock befestigt wurde. Folgende Inschrift ist darauf eingraviert: „TIVADAR EDL / 14. Juni 1882 / zum Andenken / an seinen plötzlichen Tod / an diesem Ort / in seinem Freundeskreise.“ („EDL TIVADAR / 1882. június 14. / barátai körében / e helyen történt / rögtöni halálának / emlékéül.“). Der Gedenkort, der an dieses tragische Ereignis erinnert, wurde und wird regelmäßig von seinen Nachkommen und weiteren Generationen der Familie besucht.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Denkmal in erheblichem Maße durch Zeit und Witterung beschädigt: sein Sockel wurde brüchig, die Granitoberfläche änderte ihre Farbe, einige Kanten sind abgebrochen, die Buchstaben der Inschrift sind schwer lesbar geworden. Deshalb haben wir beschlossen, das Denkmal auf Kosten der Familie zu reparieren.

Ich selbst habe die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen getroffen und herausgefunden, welche Genehmigungen wir für die Erneuerung des Denkmals benötigen werden. Den Beginn der Restaurierungsarbeiten haben wir für das Frühjahr des laufenden Jahres geplant.

Im November 2024 wurde die Familie jedoch von einer netten Überraschung beglückt: Magdi Barta Bertha erhielt eine E-Mail von Marcel Selecký, den Projektmanager des forstwirtschaftlichen Dienstes Mestské lesy (Städtische Waldgebiete) von Bratislava, in der er sie informierte, dass sie das Denkmal auf eigene Kosten des forstwirtschaftlichen Dienstes vom Restaurator Jakub Kachút fachgerecht reparieren ließen. Zur Information wurde uns auch die komplette Dokumentation über den Verlauf der Restaurierungsarbeiten zugesendet. Aufgrund der Fotografien konnten wir so nachträglich, Schritt für Schritt, die einzelnen Etappen der Erneuerung des von den vergangenen einhundertfünfzig Jahren beschädigten Denkmals beobachten, bis hin zu seinem neuen „Kleid“.

Das rekonstruierte Edl-Denkmal (Foto: Jakub Kachút)

Wir schätzen die vorbildliche Restaurierung des Denkmals auf dem Stadtgebiet sehr, da es mit der Geschichte Pressburgs und der unserer Familie eng verbunden ist. Unser Dank gilt allen Menschen, die an dem Projekt beteiligt waren, allen, die darüber Entscheidungen trafen, den Organisatoren und dem Restaurator, für die Rettung dieses wertvollen Denkmals.

Mária Orbán Bertha

Übersetzung: Astrid Rajter

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