Die Prüger Familie: Teil 3 - Henry Prüger und Errichtung des Hotels SAVOY-CARLTON

Henrys erfolgreiche Karriere im Ausland, vor allem im Savoy Hotel in London und später auch in New York waren mit sehr guten Einnahmen verbunden. In der Zeit seiner Abwesenheit führte seine Mutter Amelia Prüger das Hotel Zum goldenen Hirschen.

Als sein Vater im Jahre 1898 starb und Henry nach Pressburg zurückkehrte, beschloss er in einer höheren Ebene zu investieren. Sein Aufsehen erregte zuerst das Gebäude an der Ecke der Brückgasse und des Kossuthplatzes (heutiger Hviezdoslavplatz). Es war das Hotel National der Familie Spender, welches 1860/61 vom Baumeister Ignaz Feigler Jr. auf drei Stockwerke neu aufgebaut wurde. Zwischen Hotel National und dem Hotel Zum grünen Baum war ein dreistöckiges Gebäude mit Wohnungen, Büros und auch eine Zahnarztpraxis von Dr.Payer. Dieses Haus gehörte damals dem Herrn Dr. Nándor Gervay. Der Kauf erfolgte im Mäz 1911.

Hotel National 1902, Eröffnung Dezember 1909 - Hotel Savoy.  Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Im nächsten Jahr gab es eine weitere Gelegenheit zum Investieren: ein renommiertes Hotel mit Café und Gasthof stand nämlich zum Verkauf. Das Gebäude wurde 1838  von Johann Löw erstanden. Er war der Direktor der Ersten ungarischen Pferdeeisenbahn, welche 1846 in Betrieb ging und deren Endstation im Hof des Gasthauses war. Ursprünglich hiess er „Zu den drei grünen Bäumen“. Der berühmte Weingrosshändler Jakob von Palugyay pachtete es 1848 von Johann Löw. Später verlängerte er den Vetrag bis 1857. In diesen Jahren kamen viele berühmte und bedeutende Gäste ins Hotel und dies ging auch in den kommenden Jahren so weiter, als der Sohn von Jakob Palugayay – Karl von Palugyay das Hotel von 1886 bis 17.Dezember 1911 unter dem Namen „Zum grünen Baum“ leitete.

Nach dem Tod des Besitzers Johann Löw im Dezember 1911 gelang es nach einem Jahr Henry Prüger das Hotel von dessen Erben zu kaufen. Es folgte eine umfangreiche Renovierung von drei ehemalig getrennten Gebäuden zu einem verbundenen Gebäudekomplex um daraus einen funktionellen Hotelbetrieb zu schaffen. Es wurden anerkannte Fachleute eingeladen, die dieses grosse Bauvorhaben durchführen sollten, unter anderen war es der Architekt Alois Salzleitner und der Bildhauer Adolf Meszmer. Begonnen wurde mit Renovierung des ehemaligen Hotels National in der Brückgasse (jetzt Savoy).

Julius Prüger, Pächter vom Café Savoy. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

In der weiteren Etappe wurde das ehemalige Hotel Zum grünen Baum renoviert, wobei dieser Teil die geringsten baulichen Eingriffe erforderte. Die Ideen zur Umgestaltung bis in kleinste Details stammten von Henry Prüger. Eine imposante Eingangs- und Empfangshalle mit viel Licht  wurde konzipiert, ein neues Café und Restaurant anstelle des alten Speisesaales, welche man direkt von der Vorhalle aus betreten konnte.

Die 120 Zimmer im zweiten und dritten Stock wurden neu eingerichtet. Im ersten Stock befanden sich die Appartements, von denen jedes seinen eigenen Stil bekam. Das Hotel Carlton wurde auf der Parterre mit dem Hotel Savoy verbunden. Das gesamte Hotelkomplex wurde unter dem Namen SAVOY-CARLTON am 21.Juni 1913 eröffnet.

Hotels Savoy und Carlton, davor die Pressburger Bahn. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Die Verantwortung und Führung dieses grossen Unternehmens wurde von Anfang an an Familienmitglieder delegiert.  Das Café Savoy übernahm Henrys Bruder Julius Prüger als Pächter von 1909 bis 1930. Nach seinem Tode 1930 wurde es von seinem Sohn Gyula geleitet, der zuvor auch Inhaber vom Au-Kaffee in Engerau war.

Café Carlton wurde von der jüngeren Schwester Luise mit ihrem Ehemann Robert Stockinger geführt.

Robert Stockinger am Steuer mit Konditor Mayer (Ecke Rathausplatz-Fischertorgasse). Quelle: Archiv der Familie Lippert    

Beide Restaurants vom Savoy und Carlton waren die Bereiche von Henrys weiteren Schwester, Christine und ihrem Ehemann Gustav Wellisch. Die Stammgäste erinnerten sich gerne an die familiäre Atmosphäre, wo viele berühmte Künstler der damaligen Zeit umsorgt wurden. Christine war eine große Bekanntheit am Preßburger Markt. Sie war zugleich eine strenge, aber gerechte Chefin in der Zentralküche. Sie organisierte alles bei vielen großen Empfängen, Banketts und anderen bedeutenden Ereignissen.

Savoy Küchenchefin Christine an ihrem Leitstand. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Der jüngste Bruder Max mit früheren Erfahrungen in ausländischen Hotels war für die Administration und Leitung verantwortlich. Über allem herrschte die ehrfurchtstvolle Witwenmutter Amalia, denn es war sehr wichtig, über alles einen Überblick zu haben – und ihrem wachsamen Augen entging nichts.

 

Postkarte vom Hotel SAVOY - CARLTON zum Anlass vom Besuch des Sängervereins "Harmonie" Zürich mit Menü. Quelle: Peter Janoviček

Viele weltberühmte Gäste besuchten das Hotel – unter anderen war es am 12.September 1911 der Besuch von einem der bedeutendsten Erfinder der Welt, Thomas Alva Edisson mit Familie. Sie wurden in Appartement mit 6 Zimmern untergebracht.

Thomas Alva Edison mit Familie im Automobil mit Chauffeur beim Hotelempfang.  Quelle: Archiv der Familie Lippert 

Zu den ganz bedeutenden Ereignissen zählte auch der Besuch vom Präsident Tomáš Garrigue Masaryk am 11.Oktober 1930. Die ganze Stadt sowie auch die Hotels Savoy und Carlton waren festlich geschmückt. Er verbrachte zwei Tage in Pressburg und hatte hier kein reichhaltiges Programm.

Präsident Masaryk verlässt das Hotel und Max Prüger begleitet ihn. Quelle: Archiv der Familie Lippert 

 

Die Unterlagen für diesen Artikel wurden uns von Herrn Johannes Lippert, Urenkel von Heinrich Anton Prüger, zur Verfügung gestellt, wofür wir uns bei ihm aufrichtig bedanken möchten.

Renáta Janovičková

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