Doppelter runder Jahrestag von Anton Zimmermann – Kapellmeister von Kardinal Joseph Batthyány

Historische Persönlichkeiten
18. Januar 2023

Im Jahr 2021 jährte sich zum 280. Mal der Geburtstag und zum 240. Mal der Todestag von Anton Zimmermann (1741–1781), einem bedeutenden Komponisten der Klassik, Domorganisten, Geiger und Kapellmeister des berühmtesten Orchesters, das in der Blütezeit unserer Stadt hier tätig war. Sein Leben fällt fast genau in die Regierungszeit von Maria Theresia. Seine Werke waren in vielen Teilen Europas weit verbreitet, und seine Sinfonien wurden mit denen von Haydn verwechselt. Er kann als einheimischer Musiker betrachtet werden, da er sich hier niedergelassen hat und die meisten seiner reifen Werke hier geschrieben wurden. Die deutschsprachigen Veröffentlichungen der slowakischen Musikwissenschaftler Pavol Polák und Darina Múdra geben Aufschluss über mehrere Umstände seines allzu kurzen Lebens, aber vieles bleibt immer noch im Dunkeln. Bemerkenswert ist, dass nicht einmal ein Porträt dieses berühmten Komponisten bekannt ist.

Anton Zimmermann wurde am 27.12.1741 im schlesischen Dorf Breitenau / Široká Niva (heute Tschechische Republik) getauft, er wurde also offenbar zu Weihnachten geboren. Zu dieser Zeit fanden in dieser Gegend die Kämpfe des Ersten Schlesischen Krieges statt, er wurde erst später in die Taufmatrikel aufgenommen. Sein Name erscheint nicht in der Abschrift der Taufmatrikel, was die Rückverfolgung seiner Herkunft erschwerte. Er war das 3. Kind von Tobias und Elisabeth Zimmermann. Der Mädchenname seiner Mutter war ebenfalls Zimmermann, so dass die Eltern möglicherweise verwandt waren.

Nur unter dem Nachnamen Zimmermann erwähnt, war er offenbar nach 1763 im Bistum Königgrätz / Hradec Králové als „guter, vom Bischof von Blümegen hochgeschätzter Organist“ tätig, verlor diese Stelle aber offenbar durch den Umzug des Bischofs von Königgrätz nach Brünn / Brno.

Nach Pressburg kam er wahrscheinlich in den frühen 1770er Jahren als bereits bekannter Musiker. Die früheste Erwähnung von Zimmermann in Pressburg stammt aus dem Jahr 1772, als sein Singspiel Narcisse et Pierre im Theatersaal des Grünstübelhauses aufgeführt wurde. Für das Cäcilienfest am 22.11.1773 im Dom zu St. Martin komponierte „der bekannte Komponist Herr Anton Zimmermann“ die Musik, was in der Pressburger Zeitung vom 24.11.1773 erwähnt wird

 Grünstübelhaus auf dem Hauptplatz

Am 17.4.1774 schrieb Zimmermann von Pressburg nach Brünn / Brno an den Zeremoniar des Bischofs von Königgrätz, um eine Stelle als Organist in Brünn oder Olmütz / Olomouc zu erhalten. In Pressburg lebte er offenbar nur vom Komponieren von Auftragswerken, obwohl er das Amt des Domorganisten in Aussicht hatte, wie aus seinem Briefwechsel mit dem Magistrat hervorgeht. Er sprang für den alternden, kränkelnden Domorganisten Johann Andreas Schantroch ein und komponierte mehrere Vokalmessen für die Kathedrale. Als zukünftiger Domorganist wohnte er ursprünglich in der Kapitelgasse, zog aber später in die Stadt (ein näherer Ort ist nicht bekannt).

Anna Schirlbauer vermutet, dass Zimmermann Lehrer von Nikolaus Zmeskall aus Lestine im Komitat Arwa / Leštiny na Orave war, der später ein Freund Beethovens wurde und 1774–1778 am Evangelischen Gymnasium studierte. Wahrscheinlich verdiente Zimmermann seinen Lebensunterhalt auch als Lehrer.

Am 9.4.1775 wurden auf einer vom Grafen Anton Esterhazy veranstalteten Akademie in Anwesenheit zahlreicher Hochadeliger und Ritter mehrere Sinfonien Anton Zimmermanns aufgeführt, was dem Komponisten großen Beifall einbrachte.

Auch wenn er daran dachte, Pressburg zu verlassen, kam es offenbar zu einer Wendung in seinem Privatleben, denn am 15.8.1775 heiratete er im Dom zu St. Martin Elisabeth Liechtenegger (1752? – 8.7.1832), eine gebürtige Pressburgerin – die Tochter oder Schwester des damaligen Domkantors Jakob. Sie hatten 5 gemeinsame Kinder – einen Sohn und 4 Töchter, von denen die vorletzte als Kleinkind starb und die letzte 3 Monate nach seinem Tod geboren wurde.

Ab 1776 wirkte Anton Zimmermann im Dienst des Erzbischofs von Gran / Esztergom und Fürstprimas von Ungarn Joseph Batthyány, der in diesem Jahr den erzbischöflichen Stuhl betrat und nach Pressburg kam. Batthyány war ein großer Kunstmäzen und sorgte für eine würdige Repräsentation, bei der die musikalische Komponente die wichtigste Rolle spielte. Zimmermann, der für die Zusammenstellung des Orchesters verantwortlich war, wandte sich an Wiener Musiker, Mitglieder der Pressburger Adelskapellen und des Esterházy-Orchesters. Fast die Hälfte der Mitglieder waren herausragende Virtuosen, von denen mehrere auch als Komponisten tätig waren. Es war eines der besten Orchester Mitteleuropas zu dieser Zeit. Die Qualität von Zimmermanns Werken und das Leistungsniveau des von ihm geleiteten Orchesters werden durch mehrere Hinweise in der Pressburger Zeitung und in der zeitgenössischen Presse belegt.

Zimmermann trug zunächst den Titel eines fürstlichen Hofkompositeurs, später im selben Jahr den eines künstlerischen Direktors, Kapellmeisters „Capellae Magister“, Geigers und wahrscheinlich auch Cembalisten mit einem Gehalt von 500 Gulden, das ab 1780 auf 600 Gulden erhöht wurde. Obwohl die Gehälter einiger prominenter Mitglieder des Orchesters sein Gehalt überstiegen, wird angenommen, dass er sein Gehalt auch durch das Komponieren von Auftragswerken verdiente. Um nur einige zu nennen: Der Leiter der Bläsergruppe, Klarinettist (und auch Instrumentenbauer und Vervollkommner des Bassetthorns) Theodor Lotz hatte ein Gehalt von 600, der Cellist Franz Xaver Hammer 800, der erste Geiger und Verwaltungs-Direktor Joseph Zistler 1.000 Gulden. Der Kontrabassvirtuose und Komponist Johann Matthias Sperger erhielt wie Zimmermann 500 Gulden.

Primatialpalais

Das Orchester von Erzbischof (seit 1778 Kardinal) Joseph Batthyány war in den Jahren 1776–1783 aktiv, hatte 21–24 Mitglieder, gab zweimal wöchentlich Konzerte in der Winterresidenz (zunächst in der alten, seit 1780 in der neuen – dem Primatialpalais) oder im Garten der Sommerresidenz, zu denen seit 1777 „alle anständig Gekleideten“ Zugang hatten. An der Eröffnung des Primatialpalais am 21.11.1780 nahm neben dem zahlreich versammelten Adel auch der Rest des Publikums auf der von 18 Säulen getragenen Empore des Spiegelsaals teil. Einen Tag danach überraschte das Statthalterpaar Albert von Sachsen-Teschen und Maria Christina mit seiner Anwesenheit die Gesellschaft bei der musikalischen Akademie zum Cäcilienfest im Spiegelsaal.

Joseph Batthyány förderte die Musik und das Theater und veranstaltete in seinen Residenzen gerne verschiedene Feste, Bälle, Paraden und Feuerwerke. Die Feierlichkeiten zu seinem Namenstag dauerten manchmal eine ganze Woche lang. Seine besondere Vorliebe galt der Bläsergruppe, der sogenannten Harmoniemusik. Neben kirchlichen Anlässen wurde auch bei Banketten, Jagden, Reiterfesten (Karussells) und Schifffahrten auf der Donau musiziert. In der Brünner Zeitung vom 8.8.1781 ist zum Beispiel von einer pompösen Fahrt mit drei Schiffen von der Stadt nach Bischdorf / Podunajské Biskupice zu seinem Lustschloss Lieskovec am 26.7.1781 zu lesen. Auf dem ersten Schiff spielten türkisch gekleidete Musiker moderne „Türkische Musik“. Der Kardinal selbst und seine Gäste nahmen auf dem zweiten Schiff Platz, und auf dem dritten, neben seinem Hofstaat, die Kanonen, deren Schüsse sich mit denen der am Ufer aufgestellten Kanonen abwechselten.

Kardinal Joseph Batthyány

Musiker des Batthyány-Orchesters nahmen auch an der Eröffnungsfeier der Großen Evangelischen Kirche am 1.12.1776 teil, und Anton Zimmerman komponierte zu diesem Zweck eine Gelegenheitskantate.

Das Melodram „Die Wilden“ von Baron Johann Schilson wurde am 13.12.1777 im neuen Stadttheater von Direktor Karl Wahr mit fast einhundert Mitwirkenden und dem Autor der Musik Anton Zimmermann am Dirigentenpult uraufgeführt und war ein großer Erfolg. Leider ist die Musik nicht erhalten geblieben.

Am 1. Mai 1780 erfüllte sich endlich Anton Zimmermanns lang gehegter Wunsch – er wurde Organist am Dom zu St. Martin mit einem Gehalt von 107 Gulden plus Nebeneinnahmen. Sein Vorgänger Johann Andreas Schantroch war am Tag zuvor gestorben…

Im September 1780 fand auf Schloss Hof in Anwesenheit von Maria Theresia und dem Statthalterpaar eine erfolgreiche Privataufführung seines Melodrams „Andromeda und Perseus“ statt, über die Maria Theresia in einem Brief an ihren Sohn Erzherzog Ferdinand Karl berichtete. Das Libretto stammt aus der Feder von Johann Wolfgang von Kempelen, eine der Rollen wurde von seiner 15-jährigen Tochter gespielt. Die Herrscherin nannte den Namen des Komponisten nicht, aber sie bezeichnete die Musik als „hübsch“. Am 23. April 1781 wurde das Melodram dann auch im Wiener Hofburgtheater aufgeführt.

Anton Zimmermann starb unerwartet auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. So wie wir sein genaues Geburtsdatum nicht kennen, kennen wir auch nicht das genaue Datum oder die Umstände seines Todes. Pavol Polák datiert ihn zwischen dem 8. und 14. Oktober 1781. Er wurde am 16.10.1781 auf dem St.-Nikolaus-Friedhof an der St.-Nikolaus-Kirche am Schlossgrund bestattet, der noch im selben Jahrzehnt geschlossen wurde – seit 1784 wurde der neue St.-Nikolaus-Friedhof in der heutigen Žižkova-Straße genutzt. Sein Orchester ehrte ihn noch im Dom zu St. Martin mit einem Requiem, das mit gedämpften Instrumenten gespielt wurde. Ein unbekannter Verehrer seiner Kunst verfasste eine Trauerode, die bei der Todesanzeige in der Pressburger Zeitung am 24.10.1781 veröffentlicht wurde, und in der er neben der Trauer auch seine Bewunderung für seine Persönlichkeit, seine darstellerischen Qualitäten und seine Kompositionen von bleibendem Wert zum Ausdruck bringt. Derselbe Nachruf wurde 3 Tage später in der Wiener Zeitung veröffentlicht.

St.-Nikolaus-Kirche auf dem Schlossgrund

Die 29-jährige Witwe erhielt bis zur Geburt der letzten gemeinsamen Tochter das Organistengehalt ihres Mannes weiter. Sie erhielt sein Gehalt von Kardinal Batthyány für das letzte Trimester des Jahres 1781, und danach erhielt sie von ihm – und nach seinem Tod von seinen Erben – eine höhere Witwenrente als andere Musikerwitwen. Daraus folgt, dass sie nie wieder heiratete, sie überlebte ihren Mann um 51 Jahre und wurde auf dem Andreas-Friedhof bestattet.

Laut Darina Múdra komponierte Zimmermann 268 Werke (davon 145 unter seinem vollen Namen, 123 nur unter seinem Nachnamen), weitere 13 Autorschaften sind umstritten. Das Verhältnis von weltlichen zu kirchlichen Werken, 202:66, lässt darauf schließen, dass er nicht in erster Linie ein kirchlicher Komponist war, sondern eher ein Komponist für den Adelshof. Seine Kompositionen werden in 104 Institutionen in 14 europäischen Ländern und in den USA aufbewahrt. Trotz seines kurzen Lebens hat er ein bewundernswert vielseitiges Werk von hohem Niveau hinterlassen, das es verdient, auf den Konzertbühnen aufgeführt zu werden, nicht nur im Jahr seiner runden Jubiläen.

Zuzana Godárová

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