Geborener Pressburger Johannes Kühmayer – Neffe des Buben vom Entenbrunnen

Geschichte
12. März 2022

Johannes Kühmayer, Jahrgang 1941, stammt aus einer altösterreichischen Fabrikantenfamilie. Und wie das im alten Kakanien so üblich war, gab es in so einer Familie nicht nur Fabriksherren, sondern Künstler und jede Menge bunter Vögel, denen man in Toleranz und Nachsicht gewogen war. Man klebte auch nicht an der heimatlichen Scholle, sondern ging in der weiten Monarchie dorthin, wo sich gerade die besten wirtschaftlichen Chancen boten. In der altösterreichischen Welt war das kein Problem. In den Wirren des 20. Jahrhunderts änderte sich das und so mussten auch die Kühmayers auf abenteuerlichen Wegen ihre Heimatstadt Pressburg verlassen.

 

Johannes Kühmayer. (Archiv von Johannes Kühmayer)

 

Der Entenbrunnen auf dem Šafárikplatz, ist für jeden Pressburger und jede Pressburgerin ein Begriff. Aber welche Beziehung haben Sie dazu? 

 Johannes Kühmayer: Einen sehr engen, denn der Brunnen ist ein wichtiger Teil meiner Familiengeschichte. Er ist ein Werk des Bildhauers Robert Kühmayer und mein Onkel Ivan Kühmayer ist seinem Stiefonkel bereits mit acht, neun Jahren für den Brunnen Modell gestanden. Für die beiden anderen Knabenfiguren des Brunnens hat sich Robert Kühmayer zwei Buben der bekannten Pressburger Familie Ludwig als Vorbild genommen. Die Ludwigs waren die Nachfolger der Grafen Palugyay, einer Weinhändlerdynastie von Weltrang. Eine Weinhändlerdynastie Ludwig gibt es heute in Pressburg nicht mehr, aber jedem in Österreich ist ein Spross dieser Familie bekannt: Christian Ludwig Attersee. Sein Vater Christian Ludwig war Architekt und hat das erste Hochhaus für den Fleischhauer Manderla in Pressburg entworfen. Und das Stadtpalais der Ludwigs ist heute Sitz des Außenamts der Slowakischen Republik.

Ganz oben auf dem Brunnen steht der extrovertierte kleine Kühmayer und versucht, eine Ente am Wegfliegen zu hindern. Modellgestanden ist er gerne, gestört hat ihn nur, dass die Ente in ihrer Angst ziemlich oft gesch…  hat!

Onkel Robert war irrsinnig begabt; er hat bei den besten Professoren in Budapest, Paris und Wien Bildhauerei studiert, aber er war, was relativ selten bei den Kühmayers ist, ein fauler Hund. Er hat zehn Jahre gebraucht für diesen Brunnen, der im Jahr 1914 eröffnet wurde. Der Brunnen hat selbst den Kommunismus überlebt, obwohl in riesigen Lettern Robert Kühmayer, also ein deutscher Name, darauf stand und – Gott sei Dank – noch heute steht!

 

Der Entenbrunnen auf einer Postkarte aus den 1920 Jahren. (PamMap.sk: Kálmán, Ladislav – fond Neulingerovcov)

 

Wie kann man sich das Leben der Ludwigs und Kühmayers in diesem alten Pressburg, das ja in vielen Belangen auch nach dem Ersten Weltkrieg noch bestand, vorstellen ?

Na ja, dazu muss man wissen, dass die Pressburger sehr unterschiedlicher Herkunft waren. Es gab die, die ständig und über Jahrhunderte dort gelebt haben. Das waren die Kühmayers nicht. Die waren „Zuagraste“. Mein Urgroßvater ist nach Pressburg gegangen, weil ihm dort die Ungarn großzügige Förderung bei der Gründung einer Fabrik zugesagt und auch gehalten haben. Im Dunstkreis der Kühmayers habe ich nur Ärzte, Rechtsanwälte und Diplomingenieure in Erinnerung. Die deutschstämmigen Pressburger wurden von den jeweiligen Herrschern, unter anderem aus Schwaben, in das in vielen Kriegen immer wieder verwüstete und entvölkerte Land geholt. Sie waren sehr rasch etabliert, politisch wenig bzw. überhaupt nicht engagiert und vor allem auf bestimmte Handwerkskünste, den Bergbau und die Landwirtschaft konzentriert. So war zum Beispiel der Weinbau in Pressburg fest in deutscher (protestantischer) Hand.

Mein Urgroßvater hat hohen Bedarf an vielen handwerklich versierten Arbeitskräften gehabt und musste für seinen Betrieb ein großes Gebäude erwerben. Das war die gräflich Apponyische Mühle an der Weidritz (Vydrica), die sogenannte siebte Mühle, gleich neben der Patrónka (Patronenfabrik, Anm. d. Verf.), der ehemaligen sechsten Mühle.

Bemerkenswert ist auch, dass es ein Bürgerlicher in dieser Zeit so weit gebracht hat, dass er einem Grafen ein riesiges Objekt, ein Gebäude mit einer Kapazität für mehrere Hundert Arbeitskräften, abkaufen konnte – und das aus dem Erlös von zwei Patenten.

 

Die Kühmayer-Fabrik für Goldschmiedewaren, die 1868 auf dem Gelände der ehemaligen 7. Vydrica (Wödritz)-Mühle von Franz Kühmayer gegründet wurde. Das Gebäude ist noch erhalten und beherbergt das Denkmalamt der Slowakischen Republik. (PamMap.sk: Viktor Farár)

 

In welchem Bereich war Ihre Familie tätig? Wir haben schon viel gesprochen von der Fabrik, aber was wurde dort produziert?

Also die Hauptprodukte waren Dinge, die es heute eigentlich kaum mehr gibt. Sie waren unter dem Begriff „Posamenterie“ bekannt. Alles, was aus vergoldeten und versilberten hauchdünnen Drähten gewebt, geflochten, also textilartig erzeugt werden kann, allem voran die sogenannten Uniformsorten für die k. u. k. Armee.

Der Urgroßvater hat zunächst um 1865 in Götzendorf an der Leitha, einen Steinwurf von der bereits hundert Jahre existierenden Firma Cornides entfernt, mit einem Drahtzug begonnen. Dort hat er sich mit fünf Arbeitern, die er aus Deutschland mitgebracht hatte, niedergelassen. Aber der Einfluss der Cornides war in Wien so groß, dass man meinem Urgroßvater sehr schnell „Gas und Wasser“ abgedreht hat, wie man so sagt. Daraufhin dachte er sich: So jetzt probiere ich es noch einmal und gehe nach Pressburg in die ungarische Reichshälfte.

Das hat sofort gezündet. Er hat später die Fabrik um weitere Objekte erweitert und nach 25 Jahren war das Unternehmen in seinem Metier das größte in der Monarchie. Den Cornides hatte er da bereits längst überholt.

Nach erfolgreichen 25 Jahren des konsequenten Aufbaus bis zu einem Höchststand von 700 Beschäftigten, hat sich mein Urgroßvater Franz 1893 ins Privatleben zurückgezogen und seinem erstgeborenen Sohn, der auch Franz hieß, die gesamte Verantwortung übertragen. Auch er war sehr erfolgreich, nicht nur als Techniker, sondern auch im Marketing, unter anderem über die Werbung mit Ansichtskarten, und die Beteiligung an sogenannten „Mustermessen“. Das hat sich in zahlreichen hohen internationalen Auszeichnungen niedergeschlagen.

Was mich beeindruckt, ist der enge Kontakt, den er zu seinen Mitarbeitern gepflegt hat. Es gab jeden Samstag in der neunten Landmühle Bier und Würstel. Da waren alle höheren Angestellten dabei, die Familie Kühmayer, aber auch der eine oder andere Werkmeister und Arbeiterinnen. Mein Großvater hat auch keine Direktorenvilla bezogen, sondern in der Fabrik gewohnt, was ja auch Vorteile hat. Und man erzählt von ihm, dass er durch die Säle gegangen sei und wenn er dabei wieder einmal eine schwangere Arbeiterin gesehen hat, dann habe er zu ihr gesagt: „Marinka, was ist denn jetzt schon wieder los?“ Und dann hat sie zum Himmel geschaut und hat gesagt: „Boh to dal“, also Gott hat es gegeben. Und er hat darauf gesagt: „Also, wenn ich diesen „Bochtodal“ erwische, dann erwürge ich ihn.“

 

Bild 4: Landmühle an der Wödritz um 1908. Franz II. Kühmayer`s Frühschoppen an jedem Sonntag mit seinen Söhnen, Freunden und leitenden Angestellten, Arbeitern und Arbeiterinnen. (Archiv von Johannes Kühmayer)

 

An Unternehmergeist herrschte in ihrer Familie kein Mangel, aber wie der Pressburger Entenbrunnen zeigt, gab es da auch noch andere Kühmayers…

Die prägendsten Persönlichkeiten im Bereich des Unternehmens und der Familie waren sicher die drei „Franzln“. Die unternehmerische Welt hat mein Urgroßvater nach 25 Jahren verlassen, um sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen – den Frauen und neuen Technologien, allen voran der Elektrizität. Er hat darüber auf der Weltausstellung in Paris 1900 unter anderem mit Thomas Alva Edison „gefachsimpelt“. Es gab damals eine unglaubliche Aufbruchsstimmung in allen Bereichen des Lebens.

Mein Urgroßvater war aber nicht nur Unternehmer und Erfinder, sondern auch Streichklavierbauer. Eines seiner Streichklaviere, das er in Paris mit großem Erfolg selbst vorgeführt hat, befindet sich heute noch als Torso im Fundus des Wiener Musikvereins. Die Sensation war, dass man einen Streichton beliebig lang halten konnte! Charles Gounod war total begeistert und sagte der Erfindung einen großen Erfolg voraus. Und das ist die Brücke zur Kunst, zu den schönen Dingen des Lebens.

Der beste und teuerste Kürschner von Pressburg, Moritz Stankovits, war mit der Tochter meines Urgroßvaters, Eugenie, verheiratet. Auch seine Leidenschaft gehörte der Malerei. Und dazu gibt es eine Familiengeschichte, deren Wahrheitsgehalt ich bis dato nicht feststellen konnte, die aber im Familienkreis sehr gern erzählt wurde. Auf Korfu soll Stankovits ein Porträt von Kaiserin Elisabeth gemalt und dafür ein „von“ bekommen haben.

Und natürlich ist da noch der Robert Kühmayer, über den wir ganz zu Beginn gesprochen haben. Also wir könnten eine Ausstellung in Pressburg unter dem Titel Die Kühmayers – eine Pressburger Familie fünf Künstler machen und diese vielleicht auch nach Wien holen. Wenn das alles dann noch zu meinen Lebzeiten zustande käme, wäre ich unendlich glücklich.

Franz II. Kühmayer hat das Unternehmen in Pressburg mit Bedacht ausgebaut und finanziell auf eine solide Basis gestellt. Seine Söhne Franz III. und Alois Kühmayer haben nach dem Ende der Monarchie die freundliche Übernahme der Firma Cornides, heute würde man „merger“ sagen, mit Werken in Mannersdorf am Leithagebirge und Weissenbach an der Triesting ausverhandelt. Es versteht sich von selbst, dass es von allen drei Standorten Bilder von namhaften Malern gab, von Waldmüller über Jakob v. Alt bis zum Kupferstecher Johann Vincenz Reim.

 

Franz II. Kühmayer und Comp. Gruppenaufnahme der Familie und Belegschaft ca. 1933. (Archiv von Johannes Kühmayer)

 

Die Pressburger Zeit Ihrer Familie ging vor 75 Jahren zu Ende. Was sind Ihre Erinnerungen an die letzten Jahrzehnte im alten Pressburg?

Selbst erlebt habe ich ja diese Jahre nicht. Aber als einer, der an der Hochschule für Welt- handel studiert hat, war es selbstverständlich für mich, dass ich mit großem Interesse Informationen über die Zwischenkriegszeit – vor allem aus Erzählungen in der Familie –sammelte und für mich verarbeitete.

Einen wesentlichen Anteil daran, dass die Unternehmen Franz Kühmayer & Comp., Pressburg, beziehungsweise Cornides & Kühmayer A. G. Österreich den Börsenkrach des Jahres 1929 überlebten, hatte eine neue Produktlinie – Christbaumschmuck – und der Umstand, dass das Unternehmen vom Rechtstitel zwar eine Aktiengesellschaft war, die Aktien sich aber vornehmlich im Familienbesitz befanden. So entging man offensichtlich der ruinösen Spekulation. Mit der Tschechoslowakei hatte man auch wirtschaftlich einen sehr leistungsfähigen Partner, der die Schwerindustrie der Donaumonarchie geerbt hatte.

 

Im Jahre 1945 hat sich das Leben Ihrer Familie dramatisch verändert. Haben Sie noch eigene Erinnerungen an diese Zeit?

Meine eigene Erinnerung beginnt am Ostermontag 1945, als mein Vater sagte, jetzt sei es wohl hoch an der Zeit, dass wir nach Westen aufbrechen. Zu Fuß versteht sich! Denn der Flüchtlingsstrom war schon so stark, dass man mit einem Privatauto nicht mehr durchgekommen wäre. Ich saß in einem Kinderwagen, auf dessen Achsen ein Lederkoffer montiert war, den ich heute noch besitze und in Ehren halte. Meine Eltern trugen Rucksäcke. Mein Lieblingsspielzeug, eine Plastilinkugel, versteckte ich unter dem Notsitz meines Tretautos, damit es die Russen nicht entdecken; das Tretauto sollte alle Wirren überdauern und diente letztendlich in der Familie Hubert, aus der mein Kindermädchen stammte, für mehrere Generationen von Kindern.

Vor der Villa in der Suchomlynská ulica, leider musste sie einem Neubau weichen, nicht weit von der Fabrik entfernt, reihten wir uns in den Flüchtlingstreck ein. Ein verendetes Pferd lag mit aufgetriebenem Bauch vor dem Gartentor in der prallen Sonne und war mit hunderten von Fliegen übersäht. Mit diesem Bild beginnt meine Erinnerung an die Flucht. Der Tod und das Sterben sollten für ca. 10 Tage unsere treuen Fluchtbegleiter werden!

Der Weg führte uns über Lamač (Blumenau) in Richtung March nach Malacky, wo wir in einer Baracke der Wehrmacht die erste Nacht verbrachten. Der Kommandant bot uns an, alles was für uns von Interesse sei mitzunehmen, weil das gesamte Lager am nächsten Morgen in die Luft fliegen würde. Mein Vater nahm Besteck für drei Personen mit, drei Löffeln, drei Gabeln, drei Messer, mehr nicht.

Die einzige Möglichkeit, trockenen Fußes über die March zu kommen, war die Eisenbahnbrücke bei Hohenau. Weiter ging es über Wein-, Wald- und Mühlviertel, immer einen Tagemarsch den Russen voraus. Die Ortsnamen Zöbing, Ernstbrunn, Arbesbach und Gallneukirchen sind mir noch als Etappenziele in Erinnerung.

In Ernstbrunn trafen wir die Schwester meiner Mutter, die mit ihrer Tochter dort vor den Bomben in Sicherheit gebracht worden war. Meine Cousine nahm mir die Plastilinkugel weg und warf sie in den Sand. So war das letzte Spielzeug, das mich an Pressburg erinnerte, futsch. Das war der Anfang des Verzichtens – auch eine Kunst, die wir erst erlernen mussten.

 

 

Ansicht des „Flucht-Koffers“ für Richard, Anna und „Hansi“ Kühmayer, der heute noch existiert.   (Archiv von Johannes Kühmayer)

 

Ist jemand von Ihrer Familie in Pressburg geblieben?

Ja, mein Onkel Ivan Kühmayer ist geblieben. Er hatte eine jüdische Frau und war überzeugt, ihm könne nicht viel passieren unter dem neuen Regime, also den Kommunisten, die 1948 die Macht vollständig übernommen haben. Da ist er ganz falsch gelegen. Er hatte eine Tochter und die Kommunisten sind über diese drei schwachen Menschen hergefallen wie Hyänen. Meine Cousine wurde in eine Zimmerei abkommandiert und musste dort in den ersten Monaten schwere Holzträger schleppen. Sie ist dort verproletarisiert, hat das ordinärste Slowakisch gesprochen, um nicht aufzufallen. Schlussendlich ist sie dann bei der slowakischen Ölfraffinerie Slovnaft als Fremdsprachenkorrespondentin mit fünf oder sechs Sprachen gelandet. Die Eltern meiner Tante, die in Neutra (slow. Nitra) gelebt haben, sind in Auschwitz umgekommen.

Bevor die Kommunisten die Macht ergriffen, haben wir die Familie unten, so gut es eben gegangen ist, mit Lebensmitteln versorgt. Ich bin immer schrecklich ungern zur Grenze bei Engerau (slow. Petržalka) gefahren. Es war so, dass es einen Schranken gab auf unserer Seite und dann ein Niemandsland und dann wieder einen Schranken drüben. Man musste die Sachen, die man übergeben wollte, in der Mitte dieses Niemandslandes abstellen und dann konnten es die Leute von drüben abholen, alles unter schwerer Bewachung. Ich rannte immer hin und her, weil die ganzen Pakete vom Zug nach vorne getragen werden mussten.

An die Grenze kam auch mein ehemaliges Kindermädel, die aus einer ungarisch orientierten Familie mit dem Namen Hubert stammte. Das waren Schwaben, die auf der großen Schüttinsel (Donauinsel, die bei Pressburg beginnt, Anm. d. Verf.) zu Hause waren. Sie wurde auch versorgt. Vor wenigen Jahren hatte sie mich in unserer Pressburger Zeit aufgepäppelt und jeden Anlass genützt, mir ein Hendl abzustechen, weil der Bub so blass war. Sie hat mir auch ein wenig Ungarisch beigebracht. Wir haben sie auch später, bis in die Siebziger- oder Achtzigerjahre hinein, immer wieder unterstützt. Als Kind bin ich wie gesagt sehr widerwillig hinuntergefahren. Das hat sich über die Jahrzehnte gehalten. Jetzt habe ich mich mit der Stadt versöhnt.

 

Wie sind Ihre Eltern mit all dem zurechtgekommen? Wie war ihre Beziehung später zu Pressburg?

Man hat mit den geflüchteten Pressburgern engen Kontakt aufgebaut. Die Wochenenden verbrachte man gemeinsam im Wienerwald. Aber da hat keiner gesudert und über alte Zeiten schwadroniert. Es war kein Thema. Es war Schluss. Man hat das so was von elegant abgehakt. Es war ein sehr britischer Zugang. Es gibt einen Sieger und einen Verlierer. Und der Verlierer ist genauso geschätzt und er sagt: „Heute war ich der Dumme und nächstes Mal vielleicht der andere.“ Aber mein Vater hat ein Leben lang ungarisch, was ja die erste offizielle Sprache im Pressburg der Monarchie gewesen ist, gerechnet. Das hat er nicht weggebracht.

 

Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie von Wien nach Bratislava fahren? Ist es ein bisschen ein nach Hause kommen?

Ich fühle mich in der Stadt sehr wohl, aber ich bin mir im Klaren, dass sie nicht das alte Pressburg ist. Gott sei Dank ist aber viel erhalten geblieben, nicht behübscht, weil eben kein Geld da war. Es ist großartig.

Extrem berührend war für mich eine Tour durch unsere ehemalige Fabrik. Sie ist jetzt Sitz des slowakischen Denkmalamts. Es hat alles restauriert bis zu den Türschnallen, alles original. Es war unglaublich. Und die Weidritz oder Wödritz rinnt vorbei wie vor 500 Jahren. Es ist immer noch das gleiche Bachl, aus dem mein Vater die Forellen mit der Hand aus dem Wasser geholt und sie am Abend selbst gebraten hat. Das war eine eigene Welt, dieses Westend von Pressburg.

 

Josef Wallner

Redaktion: Peter Janoviček

 

Das Interview in vollständiger Länge ist im Buch von Josef Wallner „Unterwegs in Altösterreich – Kakanische Reisen von Siebenbürgen bis Triest“ (Verlag Berger, 2020) zu finden.

 

 

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