Pozsonyi kifli – Bratislavské rožky – ab jetzt auch auf Deutsch!

Nachrichten
2. April 2019

–    Prosím vás, koľko je hodín? (Slowakisch: Wie spät ist es, bitte?)

–    Fél kilenc (Ungarisch: Halb neun.)

–    Köszönöm! (Ungarisch: Danke.)

Wie eine der befragten älteren deutschsprachigen Personen erzählte, waren in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Pressburg solche Dialoge keine Seltenheit. Die Dreisprachigkeit gehörte nämlich zum alltäglichen Leben. Neben dem Slowakischen, das frisch zur Staatssprache gemacht wurde, galten die deutsche und die ungarische Sprache auch als Amtssprachen. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Pressburger alle drei Sprachen auf gleichem Niveau beherrscht haben. Es gab solche, die deutsch gesprochen haben, sich jedoch für Ungarn hielten, viele haben aber das sog. „Misch-Masch” gesprochen, d. h. eine lokal typische Mischsprache von Deutsch, Slowakisch und Ungarisch.

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Über ähnliche Besonderheiten der ehemaligen Pressburger Identität, und vor allem über die damalige deutsche Sprache, hat Jozef Tancer, Dozent des Lehrstuhls für Germanistik der Comenius-Universität, berichtet. Er hat auch einige Tonaufnahmen präsentiert, auf denen Pressburger, oder aus Pressburg stammende alte Leute sprechen und dadurch die charakteristischen Merkmale der lebendigen damaligen Pressburger Sprache präsentieren.

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Das alles war am 31. März im Goethe Institut zu hören, wo die deutsche Version der Webseite der Bürgervereinigung Pressburger Kipferl vorgestellt wurde. Auf pressburgerkipferl.sk können Sie ab jetzt die Produkte unserer „Bäckerei” auch auf Deutsch verzehren, bzw. lesen. Die Tätigkeit der Bürgervereinigung hat der Kunsthistoriker Csanda Máté vorgestellt. Dann diskutierte der Schriftsteller Michal Hvorecký mit dem zu sozialistischen Zeiten aus Pressburg emigrierten Robert Hofrichter und mit Peter Janoviček – den Autoren des Buches „Von Pressburg nach Salzburg“.

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Herr Hofrichter lebt in Salzburg, und wie er selbst berichtete, sein Deutsch verrät sofort, dass er kein gebürtiger Salzburger ist. „Einmal, an einem dortigen Tanzabend, fragte mich eine Dame, wo ich herkomme. Ich sagte, aus Pressburg. Und geht es Ihnen schon besser? – fragte die Dame zurück” – erzählte lachend Hofrichter. Wer im Goethe-Institut dabei war, dem „ging es sicher sofort besser” – man hatte ja da die Möglichkeit gehabt, viele interessante und lustige Geschichten über Alt-Pressburg zu hören. Pressburgerkipferl.sk!

 István Veres

 

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